Geschichte des BSV Brenschede

Vorwort

Bereits vor 25 Jahren, aus Anlaß des 175-jährigen Jubiläumsfestes des Bürger-Schützen­vereins Bochum-Brenschede 1797 e.V., hatte der Verfasser sich die Aufgabe gestellt, die 175 zurückliegenden Jahre einmal als Geschichte des Vereins zusammenzustellen.


Da auch unsere Väter, Großväter und Urgroßväter sich des öfteren mit der Vergangenheit ihres Schützenvereins intensiv beschäftigt haben, und in gewissen Zeitabständen beson­ders erwähnenswerte und ihnen wichtig erscheinende Fakten und Begebenheiten schrift­lich in Festbüchern und anderen Unterlagen dokumentiert haben, konnte der Verfasser hier auf einen reichen Fundus zurückgreifen. Allerdings erheben alle diese Über­lieferun­gen keinen Anspruch auf lückenlose Vollständigkeit, dennoch geben sie uns einen guten Überblick über die Vergangenheit des Vereins. Über die letzten 25 Jahre der Ver­einsge­schichte hatte der Verfasser regelmäßig detaillierte Aufzeichnungen angefertigt, die ihm nun die Möglichkeit gaben, auch diesen Zeitraum anschaulich wiedergeben zu können.

 

Wenn in der nun folgenden Chronik immer wieder besonders die Schützenfeste, die Kö­nigsbälle, die Bataillonsfeste und Vereinsausflüge beschrieben werden, so handelt es sich hierbei um die Aktivitäten, für die der Vorstand des Vereins verantwort­lich war und auch weiterhin ist. Diese geben die eigentliche Geschichte des Schützen­vereins Brenschede wieder.

 

Zu den Aufgaben des Vorstandes gehört auch die Durchführung von Schießveran­staltun­gen auf Bataillonsebene, wie z.B. der alljährlich durchgeführten Meisterschützen­schießen, Königspokalschießen und Wanderpokalschießen. Weiter hinzu kommt die Ausrichtung der alljährlichen Teilnahme unseres Vereins an den Schützenfesten unse­rer Nachbarvereine Bochum-Stiepel 1854 e.V. oder Bochum-Weitmar-Mark und Neuling 1896 e.V., sowie am Bochumer Maiabendfest der Maiabendgesellschaft von 1388 e.V.

 

In den mittlerweile fünf Kompanien des Bataillons, die ihr Kompanieleben selbständig und eigenverantwortlich regeln, wird den Kompaniemitgliedern ein weitreichendes und recht vielfältiges Angebot an Veranstaltungen geboten. Hierzu zählen neben den regelmäßi­gen Übungsschießen in den Lokalen auch Pokalschießen und Vergleichsschießen mit an­deren Kompanien, jährlich wiederkehrende Ostereier- und Weihnachts-Preisschießen, Ni­ko­lausfeiern für die Kinder (und auch die Erwachsenen), Karnevalsfeiern, Tanzfeste, Aus­flüge, Wandertage, Grillfeste, Kaffeekränzchen der Damen und vieles mehr. Über all diese Veranstaltungen auch an dieser Stelle ausführlich und lückenlos zu berich­ten, würde den Rahmen und Umfang dieser Chronik sprengen.

 

Dennoch hoffen wir, daß der Leser, soweit er zu unseren Mitgliedern zählt, bei der Lektüre der Chronik an viele Begebenheiten erinnert werden möge, an denen er selbst teilge­nommen hat, die aber zum Teil auch schon wieder in Vergessenheit geraten sind. Den anderen Lesern, die nicht zu unseren Mitgliedern zählen, wünschen wir, daß in ihnen beim Lesen so vieler erbaulicher Schilderungen aus der Vergangenheit der Wunsch aufkeimen möge, auch als Mitglied an unserem Schützenleben teilzuhaben.

 

***

 

Die Gründung des Vereins fiel in eine Zeit, zu der Brenschede noch ein selbständiges Ge­meinwesen war. Die wirtschaftliche Struktur wurde vorwiegend durch den Bauernstand und den Bergbau bestimmt. 1792 wurde die erste Karte des Ruhrbergbaus von Mark­scheider Niemeyer aufgenommen. Auf ihr sind im Bereich des Hauses „Brennscheidt“  verschiedene Stollenzechen eingetragen mit Namen Prinz Kater, Mißgunst, Gottesglück, Neue Hoffnung, Gute Hoffnung, Glücksburg, Julius Philipp und Eberhardine. Als Bezugs­punkte der bergmännischen Feldesbestimmung und Verlochsteinung finden sich häufig die Bezeichnungen „Haus Brenschede“ und „Berneck“. Unsere heutigen Straßenbezeich­nungen erinnern noch an die ruhmreiche Blütezeit des Bergbaus an der Ruhr. Demzufolge werden auch die Gründer unseres Vereins einst Bauern und Bergleute gewesen sein. Ihre Namen sind uns leider nicht bekannt, da Urkunden aus dieser Zeit nicht mehr vorhan­den sind. Auch das Jahr der Gründung ist nicht genau bekannt; es darf aber angenom­men werden, daß die Bildung des Vereins im Jahre 1704 oder danach erfolgte, als auf Anord­nung des Königs Friedrich I. von Preußen überall im Lande Schützengilden gebildet wer­den mußten, deren Aufgabe es war, bei der Verteidigung des Vaterlandes mitzuwirken. Außer der alten Ver­einsfahne, die nur noch unvollständig erhalten war, und später im Heimat­museum auf­bewahrt wurde, waren keine Beweisstücke aus der Gründerzeit vor­handen. Auf dieser Fahne war auf dem Tuch die Abbildung eines Adlers, der Schriftzug Schützen­verein und die Jahreszahl 97 noch zu erkennen. Um die Mitte des 19. Jahrhun­derts trat eine längere Ruhepause in der Vereinstätigkeit ein, die zur Folge hatte, daß selbst die alte Vereinsfahne eine Zeitlang verschwunden war. Man konnte sich nicht erklä­ren, wohin die­ses kostbare Vereinskleinod gelangt war. Einige Jahre später, im Jahre 1854, verkaufte Herr von Berneck sein Gut. Als hierbei alles Inventar auf dem Gutshof durchstö­bert wurde, tauchte auch die alte Fahne wieder auf. Es war der auf Brenschede aufge­wachsene Jo­hann Wiedemann, der sie mit den Worten: “Da ist ja unsere alte Fahne, die darf nicht mit­ver­kauft werden!“ hervorholte. Die Fahne wurde dann bis zum Jahre 1864 im Hause Wie­de­mann aufbewahrt. In der Zwischenzeit war der Verein wieder zu reger Tätig­keit er­wacht, und der Wunsch wurde immer dringlicher geäußert, ein Schützenfest mit Königs­schießen zu feiern. Da auch viele Bürger von Steinkuhl zu den Brenschedern gesto­ßen waren, be­schloß man, das Fest diesmal in Steinkuhl zu veranstalten. Ein großes Fest­zelt wurde errich­tet und das Königsschießen 1864 fand in einer Schlucht statt. Geschossen wurde auf eine Scheibe. Die erforderlichen Kugeln wurden von den Herren Wiedemann und Möller selbst gegossen. Ebenso stellten diese ihre Gewehre zur Verfügung. Für die Fahne hatte Herr Heinrich Berke einen neuen Schaft angefertigt. Als Schützenoberst fun­gierte Herr Bernhard Rohsiepe, der beim Fest eine braune, mit Blumen geschmückte Stute ritt. Im Verlaufe des Schießens errang der damals kaum 20-jährige Heinrich Berke aus Steinkuhl die Königs­würde und erkor Fräulein Lisette Kikuth aus Steinkuhl zu seiner Mitre­gentin. Das neue Kö­nigspaar erfreute sich großer Beliebtheit, und da auch das Wetter sich von seiner besten Seite zeigte, nahm das Fest einen schönen Verlauf. Nach dem Fest wurde die Fahne im Hause des Wirtes Berke in Steinkuhl -später Hülsmann- aufbewahrt. Im Jahre 1872, nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich und der Zusammenschlies­sung der deutschen Länder unter Kaiser Wilhelm I., zogen die Brenscheder Junggesellen nach Steinkuhl, um die Fahne wieder nach Brenschede zurückzuholen. Anlaß hierzu war ein Maiabendfest, das im Lokal des Wirtes Clevinghaus gefeiert wurde. Hier blieb auch nach Beendigung des Festes die Fahne. In den folgenden zwei Jahrzehnten wurde kein Königsschießen mehr veranstaltet, jedoch trat der Verein häufig mit kleinen, schönen Festlichkeiten her­vor, die den Zusammenhalt der Bürger immer wieder festigten.

 

Besondere Erwähnung verdient das Jahr 1892, in dem das Clevinghaus’sche Besitztum, in welchem sich die Fahne befand, ein Raub der Flammen wurde. Das Feuer hatte bereits weite Teile des Hauses ergriffen und breitete sich rasch noch weiter aus. Kurz entschlossen sprang Herr Heinrich Mette in die Feuersbrunst, und es gelang ihm tatsächlich unter Einsatz seines Lebens die Fahne fast unversehrt aus den Flammen zu retten. Der Nachbar, Karl Cornelius, eine sehr bekannt gewesene Brenscheder Persönlichkeit, nahm sie mit in sein Haus. Zu mächtigem Aufblühen gelangte der Verein, als er im Jahre 1897 auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken konnte und erneut ein Schützenfest mit Königsschießen veranstaltete. Das zu diesem Zweck errichtete Festzelt erwies sich als viel zu klein, denn der Zuspruch, den dieses Fest nach über 30-jähriger Unterbrechung bei der Wiemelhauser Bevölkerung fand, war überwältigend. Es war der Kaufmann August Düppe, der spätere Ehrenvorsitzende des Vereins, der mit einem wohlgezielten Schuß und zur allgemeinen Überraschung den Vogel von der Stange schoß und damit die Königswürde errang. Zur Königin erwählte er sich Frau Reinecke aus Bochum. Bei herrlichem Wetter nahm das Fest einen ausgezeichneten Verlauf und ist den Teilnehmern noch lange in guter Erinnerung geblieben.

 

In den folgenden Jahren blieb das Interesse am Vereinsleben gut erhalten und der Vor­stand widmete sich vorwiegend dem Ausbau der internen Vereinsarbeit. Bereits fünf Jahre später, im Jahre 1902, wurden wiederum Vorbereitungen für ein großes Schützen­fest mit Königsschießen getroffen, das dann auch am ersten Wochenende im Juni statt­fand. In der Weide fand ein für die damalige Zeit großes Festzelt Aufstellung, das von den Herren Heinrich Hanefeld, August Düppe und Gustav Goldkuhle übernommen wurde. Erstmalig kamen in diesem Jahr Jahrmarktsgeschäfte hinzu, wodurch das Bild des Fest­platzes noch bunter und anziehender wurde. Der Vogel auf der Stange wurde heftig be­schossen. Als jedoch Herr Julius Wiedemann einen Meisterschuß abgab, verlor der Vogel das Gleichgewicht und fiel zur Erde. Damit stand der neue Schützenkönig von 1902 fest, und dieser holte sich als seine Königin Frau Alma Vogelsang. Bald darauf zog das neue Königspaar unter dem Jubel der Festteilnehmer ins Festzelt ein. Der Tag war regnerisch, trotzdem soll die Feststimmung im Zelt darunter nicht gelitten haben. Am nächsten Tag besserte sich das Wetter, und als die Schützen zum Festzug antraten, brach die Sonne durch. Nach dem Festzug durch Wiemelhausen schloß sich der Königsball an, der Höhe­punkt der Veranstaltung. Bacchus wurde reichlich gefrönt und die Stimmung im Zelt stieg von Stunde zu Stunde, bis um Mitternacht folgender Amnestieerlaß des Königs zur Verle­sung gelangte:

Schützenbrüder und Festgenossen!

 

Es hat Meinem Herzen sehr wohl gethan, von Euch die Gelübde Eurer unverbrüchlichen Treue und Ergebenheit zu vernehmen. Wir versichern Euch hiermit gern Unserer ferneren Huld und Gewogenheit. Zwar sind Wir ein König ohne Land und beziehen weder eine Zivil­liste, noch scharen sich Fürsten und Grafen um Unseren Thron, am allerwenigsten aber sind Wir in der Lage, Knopflöcher zu dekorieren oder Titel zu verleihen. Dafür schreiben Wir auch keine Steuern aus, und lassen den Geldbeutel Unserer lieben Unterthanen unange­tastet, ein Verdienst, welches Sie alle, wie ich zuversichtlich hoffe, nach Gebühr würdigen. Die Konstitution, welche Wir Ihnen versprechen, ist die Leibeskonstitution Unserer eigenen majestätischen Person, zu welcher Wir Vertrauen haben, daß sie gut genug sein wird, um alle Attentate auszuhalten, welche Sie mit Zutrinken und ähnlichen Anschlägen gegen dieselbe noch ausüben möchten.

Außerdem ertheilen Wir kraft Unserer königlichen Machtvollkommenheit in Gnaden eine allgemeine Amnestie.

So vernehmet dann, auf welche einzelnen Vergehen dieselbe ausgedehnt werden soll.

Die Amnestie gewährt vollkommenen Straferlaß:

 

1.         für jeden Schuß ins Blaue;

 

2.         für jeden zu tiefen Blick in die Flasche;

 

3.         für jeden Fehltritt beim Tanz, sei es auf die Kleider der Damen oder auf die Hühner-    augen seiner Nachbarn.

 

 

Dagegen kann die Amnestie keinen Straferlaß gewähren:

 

1.         für Jeden, der seinen Posten verläßt, bevor zum allgemeinen Aufbruch geblasen       wird;

 

2.         für Jeden, der nicht dazu beitragen will, daß in der Schützengesellschaft ungeheu-    re Heiterkeit herrsche;

 

3.         für Jeden, der feige zurückbebet, wenn die Pfropfen knallen und neue Batterien       erstürmt werden sollen.

 

 

Wir halten aber streng und entschieden darauf, daß in der Bekämpfung unseres schlimm­sten Feindes und Widersachers, des Durstes, ein jeder unserer Unterthanen nach besten Kräften das seinige thut, und daß er in der Erfüllung dieser seiner gegenwärtigen wichtig­sten Pflicht sich keinerlei Säumigkeit oder Halbheit zu schulden kommen läßt. Der Genuß des Selterwassers wird hiermit als verwerflich unter strengstes Verbot gestellt und darf das­selbe nicht anders angewendet werden als auf spezielle Anordnung unserer Kater-Dokto­ren. Zu solchen ernennen Wir hiermit kraft Unserer Machtvollkommenheit einige Herren. Wir haben zu diesen nämlich das Vertrauen, daß sie selber bis zum Ende gesund bleiben und niemals in die Lage kommen werden, ihrer eigenen Person die genannte traurige Medizin zu verschreiben. Im Gegensatz zu dem jammervollen Getränke des Selterwassers ist der Gebrauch des erfrischenden und herzerquickenden sauren Herings gänzlich frei­gegeben und soll sich Männlein und Weiblein an demselben nach Gutdünken verlustie­ren dürfen.

Zum Ende aber haben Wir noch ein ernst und gewichtig Wort zu reden zu den Frauen und Jungfrauen lobesam. Es wird diesen kund und zu wissen gethan, daß sie ihre Herren Ehe­gespönste, Bräutigame und Liebhaber usw. in keiner Weise, weder durch List noch durch Gewalt, weder durch süße Blicke noch durch saure Reden von der Erfüllung der hohen Aufgabe der Durstbekämpfung zurückhalten sollen, bei Strafe Unserer Ungnade. Nach­folgende Gardinenpredigten und Schmollscenen sind einfach untersagt und es wird als Gesetzt verkündet, daß jeder Affe oder Kater, welcher von einem Schützenbruder oder Festgenossen nach Hause gebracht wird, als Haustier gebührlich und manierlich zu be­handeln ist. Dies sind Unsere Gesetze und Verordnungen; im Geiste derselben wollen Wir und werden Wir Unser Regiment führen und somit erheben wir unser Glas und lassen den Schützenverein von Brenschede und alle unsere Festgenossen leben

 

hoch!   hoch!   hoch!

 

Wir haben den Wortlaut dieses Amnestieerlasses hier ungekürzt wiedergegeben, weil wir ihn so originell finden und der Ansicht sind, daß er so recht eine Vorstellung davon vermit­telt, wie froh und lustig auch unsere Großeltern und Urgroßeltern es schon verstanden ha­ben, Feste zu feiern. Kein Wunder, daß bei so köstlichem Humor und ausgelassener Festes­freude das Schützenfest 1902 einen schönen Verlauf und guten Ausklang nahm.

 

Durch die Erfolge der letzten Jahre angespornt, breitete sich im Verein eine rege Emsig­keit aus. Galt es ja nicht nur Feste zu feiern, sondern auch am Wachstum und an der Er­haltung des Vereins weiter zu arbeiten. So stellte sich dann dem Vorstand die Aufgabe, die alte Vereinsfahne, an deren Äußerem die vielen Jahre nicht spurlos vorbeigegangen waren, durch eine neue zu ersetzen. Dank der Unterstützung durch die Brenscheder Bür­gerschaft sah sich der Verein in die Lage versetzt, dem Maler Giesbert Umbach in Dort­mund die Lieferung einer neuen Vereinsfahne in Auftrag zu geben, die damals 120 Mark kostete. In der Pflege guter Kameradschaft und froher Geselligkeit ging der Verein mit gutem Beispiel voran. Der Schießsport wurde eifrig betrieben und die Leistungen im Schießen wurden in jenen Jahren sogar verbessert, so daß der Verein des öfteren durch gute Leistungen bei Vergleichsschießen hervortreten konnte.

 

Das letze Schützenfest hatte sich bei allen Bürgern in so guter Erinnerung erhalten, daß man sich im Jahre 1906 entschloß, ein weiteres Schützenfest mit Königsschießen folgen zu lassen. Wieder wurde im Verein eifrig an den Vorbereitungen gearbeitet, und so entstand ein Fest, daß sich nicht allein würdig den vorhergegangenen Festen anschloß, sondern diese vielleicht noch in seiner Gesamtwirkung übertraf. Das Festzelt und die Schänken wurden dem Wirt Julius Wiedemann übertragen. Erneut galt es, den stolzen Adler von der Stange zu holen und einen neuen Schützenkönig zu ermitteln.

 

Da Brenschede inzwischen von der Stadt Bochum eingemeindet worden war, wurde auch der damalige Oberbürgermeister Graff eingeladen, der namens der Stadt den er­sten Schuß auf den Vogel abgab. Dann folgte Schuß auf Schuß, und der Vogel gab nach und nach seine stolze Schönheit als Tribut an die gutgezielten Schüsse der Schützen ab. Den entscheidenden Schuß aber, der seinen Rumpf zu Fall brachte, tat diesmal der Bau­unternehmer Johann Krois, der damit die Königswürde errungen hatte und sich zur Königin Frau Maria Hanefeld erwählte. Der Wettergott war vor Freude so gerührt, daß er während des ersten Festtages unaufhörlich Tränen vergoß, worüber die Festteilnehmer allerdings keine besondere Freude empfanden. Dies wohl einsehend, zeigte er am nächsten Tag ein freundlicheres Gesicht und machte dadurch wieder alles gut. Der Festzug fand bei strah­lendem Sonnenschein das Interesse und die Anteilnahme der gesamten Bevölke­rung von Wiemelhausen. Bei dem sich anschließenden Königsball breitete sich unter den Fest­teilnehmern eine so große Gemütlichkeit aus, daß alle voll auf ihre Kosten kamen. Auch Herr Oberbürgermeister Graff nahm an allen Veranstaltungen reges Interesse und freudi­gen Anteil.

 

Unter der tatkräftigen Leitung des damaligen Vorsitzenden, Herrn August Düppe, nahm der Verein weiterhin einen guten Aufschwung und bereits im Jahre 1911 wurde wieder ein Schützenfest mit Königsschießen veranstaltet. Zum erstenmal wurde der Wunsch laut, zur Verschönerung des Festes eine Bürgerkompanie zu bilden. Zelt und Bewirtung wurden in die Hände des bewährten Schloßwirtes Friedrich Schaper gelegt. Ein großer Vergnü­gungspark gab Jung und Alt Gelegenheit zu fröhlicher Kurzweil. Beim Vogelschießen ging es hoch her, und der König der Lüfte erwies sich diesmal als besonders hartnäckig. Als jedoch der Wirt Heinrich Hanefeld einen gut gezielten Schuß auf den Königsadler abgab, konnte er nicht länger widerstehen. Besiegt fiel er von der Stange und gab seine Königs­würde an seinen Bezwinger ab, der sich Frau Neuhaus als Königin einholte. Waren schon die vorangegangenen Schützenfeste allen in bester Erinnerung, so standen diese Fest­tage allen Bürgern als das letzte große Königsschießen für lange Zeit im Zeichen bleiben­den frohen Gedenkens.

 

Der 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 und seine Nachwirkungen vereitelten auf lange Zeit die Wiederholung des allen Brenschedern so liebgewordenen Festes. Der Krieg hatte in die Reihen der im Felde stehenden Mitglieder des Vereins manche Lücke gerissen. Nicht nur durch den Krieg, sondern auch durch die dem Kriege folgenden schweren Notzeiten un­seres Volkes, wie Arbeitslosigkeit und Inflation, wurde ein Wiederaufleben des Vereins schwer gehemmt. Zwar haben in jener Zeit die alten Mitglieder des Vereins sich nach be­sten Kräften bemüht, das Vereinsleben wieder in Gang zu bringen; die Widerstände wa­ren sehr groß, und es hat viel Mühe und Aufopferung gekostet, bis es wieder ein sichtbares Bergauf gab. Neue Mitglieder stießen zu den alten, und der Schießbetrieb nahm einen guten Aufschwung. Nachdem der innere Aufbau des Vereins wieder so gefestigt war, daß man an ein neues Aufleben der alten Schützenfest-Tradition denken konnte, schrieb man bereits das Jahr 1927. Die Kompanien hatten sich gut aufgefüllt, und glücklicherweise waren auch so viele aus den Reihen der „Alten“ wieder mit dabei, daß die Frage der Be­setzung der Offiziersstellen keine große Sorge bereitete. Der langjährige verdienstvolle Vorsitzende August Düppe wurde zum Generalobersten befördert (gleichzeitig Ehrenvor­sitzender), womit ihm ein sichtbares Zeichen der Verehrung und des Dankes aller Schüt­zenkameraden zuteil wurde. Der Kaufmann Heinrich Sonneborn übernahm den Vorsitz und wurde somit Oberst. Auch das übrige Offizierskorps bestand aus verdienstvollen Män­nern, und ihre Namen haben sich in der Folgezeit über Generationen im Verein erhalten. Sie alle haben mit viel Liebe und Hingabe das Schützenfest 1927 vorbereitet, und so fand dann im Juni im Schatten von Haus Brenschede, wo das Festzelt aufgeschlagen war, das erste Königsschießen nach dem Kriege wieder statt. Oberleutnant Heinrich Wieg schoß den Königsvogel ab, und Frau Meta Berghüser teilte mit ihm die Regentenwürde. Ein schönes Fest, das sich denen der Vorkriegszeit würdig anreihen durfte, ließ die alte Tradi­tion neu aufleben und gab dem Vereinsleben neue Impulse.

 

Da der Anfang nun einmal wieder gemacht war, folgten in regelmäßigem Abstand von drei bis vier Jahren wieder Schützenfeste, die den Verein weiter bekannt und beliebt machten. Man wählte Wilhelm Kersten zum ersten Vorsitzenden. Er war es, der die Bürger­kompanie, die sich sonst nach jedem Schützenfest wieder auflöste, nun als festen Be­standteil ins Vereinsleben einfügte. Auch fällt in jene Zeit der Beschluß, die bisherigen Schützenhüte durch blau-weiße Schirmmützen zu ersetzen. Das äußere Erscheinungsbild der Vereins in der Öffentlichkeit wurde durch ein einheitliches Gewand, schwarzer Rock und weiße Hose, noch weiter gehoben. Noch eins: Man gab sich jetzt alle Mühe, auch dem Schießsport innerhalb der Vereinsarbeit seinen besonderen Platz einzuräumen. 1928 vereinte ein Königsball alle Schützenkameraden zu einem schönen Fest.

 

Im Jahre 1930 fand ein großes Bürger-Schützen- und Volksfest in Wiemelhausen statt. Als besondere Neuerung wurde dieses Fest erstmals mit einem großen Zapfenstreich, ver­bunden mit einer feierlichen Totenehrung, eingeleitet. Am Sonntag, beim Königsschießen, errang der Major Heinrich Hanefeld die Königswürde und holte sich die Frau des Rechts­anwaltes Dr. Ostermann zur Königin. Am darauffolgenden Montag wurden als weitere Neuerung die Bochumer Waisenkinder beider Konfessionen im Festzelt reichlich bewirtet. Der helle Jubel der beglückten Kinder klang den Schützen noch lange in den Ohren. Seither ist die Bewirtung der Bochumer Waisenkinder für lange Zeit ein fester Bestandteil unserer Schüt­zenfeste geblieben.

 

Das Jahr 1934 sah die Brenscheder Schützen und Bürger wieder im schönen Lottental zu einem Bürger-Schützen und Volksfest vereint. Wilhelm Kersten hatte das Wohl des Vereins noch immer fest in der Hand. Die Kompanien hatten eine stattliche Zahl von Mitgliedern erreicht. Die Stammkompanie wurde damals von Hauptmann Gerhard Brandt geführt, die 1. von Hauptmann Julius Berghüser, die 2. von Hauptmann August Bracht und die 3. Kompanie von Hauptmann Otto Möller. Beim Königsschießen 1934 holte sich Oberleut­nant Gustav Goldkuhle die hohe Würde eines Schützenkönigs und erkor sich Frau Elfriede Haarmann zur Königin. Königsadjutant war wieder, wie schon im Jahre 1930, der in diesem Amt bewährte Oberleutnant Julius Düppe. Auch in diesem Jahr wurden wieder nach dem wohlgelungenen Verlauf der Sonntagsveranstaltungen am Montagnachmittag über 200 Waisenkinder im Festzelt bei fröhlicher Musik und allerlei Unterhaltung großzügig be­wirtet.

 

In den Jahren zwischen 1934 und 1937 hatte der verdienstvolle erste Vorsitzende Wilhelm Kersten aus gesundheitlicher Rücksichtnahme sein Amt abgeben müssen. Nachdem zeitweilig die Leitung des Vereins in den Händen von Karl Lührig gelegen hatte, wurde dieses Amt später dem Schützenkönig von 1934, Gustav Goldkuhle, anvertraut. In aner­kennenswerter Weise hat er sich bis zu seiner Einberufung im zweiten Weltkrieg um den Fortbestand und weiteren Aufbau des Vereins bemüht. So fand denn auch unter seiner Leitung das festlich gestaltete und unter großer Anteilnahme der Bevölkerung verlaufene Schützenfest 1937 statt. Die Führung des Bataillons wurde dem Hauptmann der 2. Kom­panie, August Bracht, unter Beförderung zum Major, übertragen. Oberleutnant Ewald Haarmann übernahm als Hauptmann die Führung der 2. Kompanie. Den Königsschuß gab Oberst Heinrich Sonneborn ab, und zur Mitregentin erwählte er sich Frau Emma Grü­nendieck. Das Fest nahm einen glänzenden Verlauf und sollte allen Festteilnehmern für viele Jahre eine wehmütige Erinnerung an eine heile Zeit werden. Ahnte doch während des Festes wohl keiner, was unserem Volk und unserer Heimat bevorstand.

 

Im Herbst 1939 brach der zweite Weltkrieg aus, ein Krieg, der wie kein anderer zuvor seine Spuren in jeder Familie und an jedem Hause hinterlassen sollte. Viele Mitglieder waren an der Front gefallen oder in den Bombenangriffen auf unsere Heimatstadt umgekommen. Wirtschaft, Handel und Gewerbe lagen darnieder, Not und Elend waren über unser Volk gekommen und auch in der ersten Nachkriegszeit hatte jedermann mit sich selbst zu tun, um sich und die Seinen über die schlechte Zeit gut hinwegzubringen. Das Vereinsleben war vollkommen zum Erliegen gekommen. Aber bereits vier Jahre nach Kriegsende, am 28. Juli 1949, fanden sich im Stammlokal der 2. Kompanie, bei Ferdinand Schmidt, fol­gende Mitglieder zu einer ersten vorbereitenden Besprechung zusammen: August Bracht, von dem auch die Initiative zu diesem Treffen ergriffen worden war, Ewald Haarmann, August Klagges, Theo Biermann, Heinrich Schmidt, Ferdinand Schmidt, Josef Schmidt, Jo­sef Köller, Bernhard Pieper sen. und August Knaup. Bei dieser Besprechung ging es darum, den Verein vorerst wieder als Bürgerverein aufleben zu lassen, weil zu dieser Zeit an eine Wiedererstehung des Schützenwesens wegen der Vorbehalte der  Alliierten noch nicht gedacht werden konnte. In den ersten Augusttagen 1949 kündeten blau-weiße Plakate die Gründungsversammlung des „Bürgervereins Brenschede 1797“ an, zu der August Bracht einlud. Bereits im Juli 1950 hatte sich der neue Verein so weit entwickelt, daß man unter Vorsitz von Hauptmann Gerhard Brand im Steinkuhler Hof ein Bataillonsfest feiern konnte, das einen vorzüglichen Verlauf nahm und die Erinnerung an die Schützenfeste früherer Zeit wieder wachrief. Der Gedanke des Schützenwesens bekam wieder neue Nahrung, nicht zuletzt durch den bei diesem Fest stattgefundenen Schützenumzug in blau-weißen Mützen, der von der gesamten Bevölkerung unseres Stadtteils lebhaft be­grüßt wurde. Leider hatte man am 16. Juli, ein paar Tage vorher, den früheren Schützen­könig und ersten Vorsitzenden Gustav Goldkuhle zu Grabe tragen müssen. Viele Schüt­zenbrüder hatten sich eingefunden, um ihm das letzte Geleit zu geben.

 

Im Februar 1951 fand im Lokal Hanefeld eine Generalversammlung statt, in der sich der Vorstand wieder satzungsgemäß konstituierte. Erster Vorsitzender wurde Oberleutnant Lorenz Thein, zweiter Vorsitzender Major Heinrich Hanefeld. Zum Schriftführer wurde Fritz Hoffmann gewählt, zum Kassierer Ferdinand Schmidt, zum Presse- und Werbewart Hein­rich Herker und zum Vorsitzenden des Vergnügungsausschusses der bisherige Vorsitzende Gerhard Brandt. Dem erweiterten Vorstand gehörten die Hauptleute der Kompanien an. Die Satzungen wurden neu aufgestellt und die Eintragung ins Vereinsregister beschlossen. Der wichtigste Beschluß dieser Generalversammlung aber war, im August wieder ein gros­ses Schützen- und Volksfest zu feiern. Unter großen Anstrengungen wurden die Vorberei­tungen dazu getroffen. Besondere Schwierigkeiten machte unter anderem die Beschaf­fung der Bekleidung und Ausrüstung; aber bis zum Fest war es doch geschafft, daß sich alle Kompanien wieder in einheitlichem Schützenanzug in der Öffentlichkeit präsentieren konnten. Endlich, am 17. August 1951, war es soweit. Nachdem am Freitagabend eine Abordnung des Vereins am Ehrenmal einen Kranz niedergelegt hatte, versammelten sich die Kompanien im Festzelt und gedachten dort der in den vergangenen Jahren verstor­benen und im Kriege gefallenen Kameraden. Am Samstag wurde im Lottental auf den Vogel ge­schossen. Bürgermeister Schirpenbach gab als Vertreter der Stadt den Ehren­schuß ab, den zweiten Schuß tat Polizeiinspektor Meister und den dritten Schuß der letzte Schützen­könig von 1937, Kaufmann Heinrich Sonneborn. Nach hartem Ringen um Tro­phäen und Königswürde konnte Oberleutnant Heinrich Herker den letzten Schuß auf den Adler ab­geben und wurde damit neuer Schützenkönig. Als Heinrich VI. wählte er Frau Elisabeth Kersten zur Königin Elisabeth I. Königsadjutant wurde Erwin Haarmann, als Batail­lonsadju­tant fungierte Heinz Hanefeld. Unter dem Jubel der Festteilnehmer fand an­schließend im Zelt die Krönung statt. Dann nahm der große Schützenball seinen Anfang, der die Fest­gemeinde noch viele Stunden bei fröhlichem Umtrunk, Tanz und Musik zu­sammenhielt. Am Sonntag ging es dann in schneidigem Festzug unter dem Jubel der zahlreichen Zu­schauer zum Festzelt. Hier entwickelte sich bald die gleiche fröhliche Ge­selligkeit wie am Vortage. Man hatte den Eindruck, daß sich hier alles wieder zusammen­gefunden hatte, was in den vergangenen vierzehn Jahren auseinandergestrebt oder sich gar fremd ge­worden war. Jetzt war man wieder eine einzige fröhliche Gemeinde. Das war wohl das schönste Erlebnis dieses Festes. Ein neuer Anfang war gemacht.

 

Der neue Schützenkönig kam bald noch zu anderen Ehren. In der Generalversammlung vom 2. Februar 1952 wurde er zum 1. Vorsitzenden gewählt und löste damit Lorenz Thein ab, der dem Verein lange Jahre treu gedient hatte. Unter Heinrich Herkers Leitung fand dann auch der erste Nachkriegs-Königsball statt, dessen festlicher Aufzug an den Glanz früherer Jahre erinnerte. Im darauffolgenden Jahr beging man in feierlicher Form den Gedenktag an die Fahnenweihe vor 50 Jahren. Auch dieses Fest war von echtem Schüt­zengeist und Traditionsbewußtsein getragen.

 

Im Jahre 1954 findet wieder ein Fest in aller Farbigkeit und von volkstümlichem Gepräge statt. Diesmal ist es wieder ein Heinrich Herker, Major und Bataillonskommandeur, der die hohe Königswürde erringt und sich zu seiner Mitregentin Frau Irmgard Reuse wählt. Am Abend festliche Übergabe der Majestätsinsignien, Königskette und Diadem, am Sonntag bei Sonnenschein ein Festzug, an dem sich auch befreundete Nachbarvereine beteiligen, herrliche Stimmung im Festzelt, montags Bewirtung der Waisenkinder und ein fröhlicher Festausklang im Zelt bei Geselligkeit und Tanz: Das waren auch diesmal wieder die Haupt-ereignisse eines wohlgelungenen Heimat- und Volksfestes in Wiemelhausen.

 

Das folgende Jahr 1955 bescherte uns wieder ein Bürger-Schützen und Volksfest, aller­dings ohne Königsschießen. Dafür stand diesmal die Ehrung von sechs Silberjubilaren und der Meisterschützen bei den Kreismeisterschaften neben einem reichhaltigen Festpro­gramm im Vordergrund. Der Festzug durch das mit Fahnen geschmückte Wiemelhausen war auch diesmal eine Freude für alle, die rechts und links die Straße säumten.

 

Inzwischen hatte sich die Schaffung einer neuen Vereinsnadel als notwendig erwiesen. Als weitere bedeutungsvolle Neuerung brachte das Jahr 1956 die von allen begrüßte Ver­einbarung mit den benachbarten Schützenvereinen von Weitmar und Stiepel, wonach alle drei Vereine ihr Schützenfest nur noch alle drei Jahre abhalten und zwar so, daß je­des Jahr ein Verein die beiden anderen zu sich einlädt.

 

Beim Jubiläums-Schützenfest 1957 zeigt sich erstmalig, wie zweckmäßig dieses Überein­kommen war. Wurde doch das Bild des Festzuges durch die Beteiligung der stark vertre­tenen Nachbarvereine mit ihren Fahnen- und Standartenkommandos noch imposanter und eindrucksvoller. Die 160-Jahrfeier stand unter einem guten Stern. Bei der Gedenkfeier am Ehrenmal hielt Vikar Wilutzki eine aufrüttelnde Ansprache, in der er ganz besonders die Bedeutung der Kameradschaft herausstellte. Es war das erste Mal, daß Vertreter der Kirche an dieser Feierstunde teilnahmen. Am nächsten Tage sahen sich alle Schützen beim Königsschießen im Lottental wieder. Nach und nach fiel eine Trophäe nach der an­deren, bis Friedrich Schött mit einem Volltreffer die Frage nach dem neuen Schützenkönig löste und unter dem Jubel der Schützen emporgehoben wurde. Nach Dankesworten an das abtretende Königspaar nahm der 1. Vorsitzende die Proklamation der neuen Maje­stäten vor. Friedrich I. und Königin Charlotte I. Schmidtke wurden mit den Zeichen der Würde ausgestattet. Oberbürgermeister Fritz Heinemann brachte in seiner Ansprache die besondere Verbundenheit der Stadt mit der Tradition des Bürger-Schützenvereins zum Ausdruck und überreichte als sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit den Ehrenteller der Stadt Bochum. Nach der Ehrung der Trophäenerringer wurden die neuen Standarten an die Kompanien und den Fanfarenzug übergeben und geweiht. Neun Goldjubilare und 82 Silberjubilare wurden für 50-jährige, bzw. 25-jährige Treue zum Verein geehrt. Über den weiteren Verlauf dieses Festes ist zu bemerken, daß die Wogen der Freude sehr hoch gin­gen und das Fest einen ausgezeichneten Verlauf nahm.

 

Die Jahre zwischen den Schützenfesten waren ausgefüllt mit reger Vereinsarbeit. Insbe­sondere der Schießsport gewann immer mehr an Anziehungskraft, und die Ergebnisse konnten ständig verbessert werden. Im Schießen um den Königspokal war 1957 die 1. Kompanie am erfolgreichsten, den Wander-Jubiläumspokal errang die 3. Kompanie. Ver-einsmeister 1958 wurde mit 147 Ringen Willi Schliep von der 1. Kompanie. Regelmäßig beteiligten sich unsere Junggesellen und unsere Schützen am Bochumer Maiabendfest und zogen mit nach Harpen. In den Kompanien wurde neben den schießsportlichen Übungen auch manches gesellige Beisammensein arrangiert, wie Bunter Abend mit Tanz und Unterhaltung, oder Ausflüge mit den Damen. Hinzu kam noch jedes Jahr die Teil­nahme an den Schützenfesten der Nachbarvereine Weitmar oder Stiepel.

 

1960 war für Wiemelhausen wieder das Jahr eines Schützenfestes. Nach der To­tenge­denkfeier am Ehrenmal, wo Pastor Margass von der Petrigemeinde diesmal die An­spra­che hielt, fand auf dem Vorplatz Seier der Große Zapfenstreich statt. Immer wieder ist gerade diese Veranstaltung ein Teil unseres Festprogramms, der in ganz besonderer Weise einen großen Teil der Zuschauer und Teilnehmer in seinen Bann schlägt. Am näch­sten Tag folgte wieder reger Betrieb beim Königsschießen im Lottental. Fünf Stunden dauerte das Ringen um die begehrten Trophäen, bis endlich ein gut gezielter Schuß von Heinrich Schafstall die Entscheidung brachte. Zusammen mit seiner Frau Hildegard trat er die Regentschaft an. Als Heinrich VIII. und Hildegard II. gelobten beide dem Schützen­verein unverbrüchliche Treue. König Heinrich VIII. ermunterte seine Untertanen, die All­tagssorgen zu vergessen und mit ihm ein großes und besonderes Schützenfest zu feiern. Der Festzug am Sonntag mit dem Vorbeimarsch an den Königspaaren, auch denen der eingeladenen Nachbarvereine, lockte wieder viele Zuschauer an. Beim anschließenden Königsball ging es hoch her. Bewirtung der Waisenkinder und Schützenball bildeten am Montag den Ausklang eines wohlgelungenen Festes.

 

Drei Jahre später, 1963, stritten die Brenscheder Schützen wieder um Trophäen und Kö­nigsehre. Diesmal war es wieder ein Hanefeld, der dritte seit der Jahrhundertwende, der sich als König der Tradition seiner Väter und seines Hauses anschloß. Zur Königin er­wählte er sich Frau Waltrudis Brand. Als Heinrich IX. und Waltrudis I. traten sie zusammen die Herr­schaft über die Schützen für die nächsten drei Jahre an. Vorsitzender Heinrich Herker dankte in seiner Festansprache dem scheidenden Königspaar, Heinrich VIII. Schafstall und seiner Gattin Hildegard II. für ihre gemeinsame gute Regentschaft und würdigte beson­ders die Verdienste Heinrich Schafstalls, die er sich schon als Hauptmann der 2. Kompa­nie und als Major und Bataillonskommandeur erworben hatte. König Heinz Hanefeld ver­si­cherte, daß er das Amt gerne angenommen habe und versprach, das Erbe der Väter zu bewahren und den Verein stets nach besten Kräften zu fördern. Am Sonntag fand bei strahlendem Sonnenschein die Parade vor den Königspaaren an der katholischen Kirche statt. Wie beim Krönungsball, so herrschte auch bei dem sich anschließenden Königsball fröhliches Schützentreiben. Gäste aus nah und fern feierten mit den Wiemelhauser Bür­gern ihr traditionelles Volksfest. Und wieder beschlossen am Montag der Nachmittag für die Waisenkinder und der Schützenball am Abend das Schützenfest 1963.

 

Im Jahre 1966 wurde Theodor Schrepping Schützenkönig und führte Frau Elsbeth Engels als Königin zum Thron. Auch dieses Schützenfest stand unter einem guten Vorzeichen und nahm unter der bewährten Leitung des Vorsitzenden Heinrich Herker einen ausgezeichne­ten Verlauf. In der Person Theo Schreppings hatte der Sproß eines alten Bauerngeschlech­tes die hohe Würde des Königsamtes übernommen. Königsadjutant wurde Peter Herker. Drei Jahre regierte er als König Theodor I. mit Elsbeth II. die Schützen von Brenschede bis zu unserem Schützenfest im Jahre 1969. In diese Zeit fiel die 170-Jahrfeier unseres Vereins und aus diesem Anlaß feierten wir im Juli 1967 unser Bataillonsfest im Lokal Spitz. Höhe­punkt dieser Veranstaltung war die Ehrung der Mitglieder für 60-, 50-, 40- und 25-jährige Vereinszugehörigkeit, sowie die Überreichung der Urkunden an die Meisterschützen der Jahre 1965 bis 1967. Ein buntes Unterhaltungsprogramm umrahmte die Veranstaltung. 1968 war der glanzvolle Königsball, zum dem S. M. Theodor I. und I. M. Elsbeth II. geladen hatten. Der Ball wurde ebenfalls mit einem bunten Programm umrahmt und ist noch in dankbarer Erinnerung.

 

1969 marschierte das Bataillon nach der traditionellen Gedenkfeier und Kranzniederle­gung am Ehrenmal mit brennenden Pechfackeln zurück, um auf dem Vorplatz Seier mit dem Großen Zapfenstreich den Auftakt für das Schützen- und Volksfest 1969 zu geben. Am Samstagmorgen marschierten die Kompanien mit klingendem Spiel zum Königs­schießen im Lottental. Der Rektor der Ruhr-Universität, Professor Biedenkopf, und Regie­rungsdirektor Linnebrink in Vertretung des Polizeipräsidenten von Hardenberg, eröffneten als Ehrengäste das Königsschießen. Bei schönem Wetter wurde ausdauernd auf den höl­zernen Vogel geschossen. Mittags stärkten sich alle an der guten Erbsensuppe. Nach 721 Schüssen, genau um 15.24 Uhr, holte der Hauptmann der 1. Kompanie den Vo­gel von der Stange. Es war der 45. Schuß, der auf den Rumpf abgegeben worden war. Der neue Schützenkönig hieß Ferdinand Schwarma, und er wurde von den Schützen ju­belnd auf die Schultern emporgehoben. Zur Königin erkor er sich Frau Theresia Popien. Königsadju­tant wurde Hans Meyer.

Nach dem Schießen zogen alle Schützen zum Festzelt, wo die Krönung der neuen Maje­stäten stattfand. Das scheidende Königspaar Theodor I. und Elsbeth II. übergab die Insi­gnien seiner Regentschaft an das neue Königspaar Ferdinand I. und Theresia I. Anschlies­send eröffneten die Königspaare und ihr Gefolge mit einer Polonaise den Tanz. Bei ausge­lassener Festesfreude, zünftiger Musik und reichlichem Konsum von Wein und Bier feierte die große Schützenfamilie bis in den frühen Morgen den Krönungsball.

 

Am Sonntagmor­gen führte Musikoffizier Theo Dickamp den Fanfarenzug zum traditionel­len Wecken durch Wiemelhausen. Mittags formierten sich die Schützenvereine von Stie­pel, Weitmar und Brenschede zum großen Festzug und zum Vorbeimarsch an den Kö­nigspaaren an der katholischen Kirche. Anschließend fand im Zelt der Königsball statt. Stimmung und Betrieb im Zelt ließen nichts vom Elan des Vortages vermissen, und so ging auch der Sonntag genauso schön zu Ende wie der Samstag. Am Montag wurden über 270 Waisenkinder im Festzelt empfangen. Sie waren in Sonderbussen der Straßenbahn herangefahren worden. Mit Kakao und Kuchen wurden die Kleinen bewirtet, durften auf den Karussels der Schau­steller fahren und wurden im Zelt von Onkel Albert und seinen Helfern unterhalten. Am Abend schloß sich dann der große Schützenball als Ausklang des Schützen- und Volksfe­stes 1969 in Wiemelhausen an.

 

Im Jahre 1972 stand dem Verein ein besonderes, nämlich das Jubiläums-Schützenfest zum 175-jährigen Bestehen ins Haus. Im Vorfeld, bei der Mitglieder-Jahreshauptversamm­lung am 22. Januar 1972, kam es jedoch zu einer bedeutenden Veränderung in der Ver­einsspitze. Nachdem der bisherige 1. Vorsitzende Heinrich Herker im November 1971 nach über 21-jähriger ununterbrochener Mitarbeit im Vorstand von seinem Amt zurückgetreten war, und auch der 2. Vorsitzende Günter Kowallik im gleichen Monat nach nur einem Jahr sein Amt zur Verfügung gestellt hatte, wurde ein neuer Vorstand gewählt.

Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm der Exkönig Theodor Schrepping, zum 2. Vorsit­zenden wurde der bisherige 1. Kassenwart Heinz Popien und zum 1. Kassenwart Walter Thunemann gewählt. Weiter im Amt bestätigt wurde der 1. Geschäftsführer Theo Fuck. Zum stellvertretenden Geschäftsführer wurde Eberhard Opp gewählt. Major Helmut Reuse blieb auch weiter im geschäftsführenden Vorstand.

Mit dieser neuen Führungsmannschaft, in der jedoch noch immer drei langjährig erfah­rene Vorstandsmitglieder weiter tätig waren, ging es an die Vorbereitung des 175-jährigen Jubiläums-Schützenfestes.

 

An dieser Stelle sind noch einmal die herausragenden Verdienste unseres langjährigen 1. Vorsitzenden Heinrich Herker hervorzuheben, der in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg das Wiedererstehen und die Aufwärtsentwicklung unseres Vereins maßgeblich beeinflußt und mitgestaltet hat, der das erste Schützenfest nach dem Kriege im Jahre 1951 mit vorberei­tete und hierbei selbst die Königswürde errang, der in den folgenden Jahren unermüdlich daran arbeitete, den Verein in unserem Ortsteil wieder zu einem festen Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens zu machen. Unter seiner Führung gelangte der Verein weit über die Grenzen von Brenschede hinaus zu hohem Ansehen. Deshalb ent­schloß sich der Vorstand im Jahre 1972 auch, Heinrich Herker zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen.

 

Vom 15. bis 18. September 1972 konnten wir unser Jubiläums-Schützenfest in Wiemelhau­sen feiern. Das Fest nahm am Freitagabend mit der traditionellen To­ten­ehrung, die in die­sem Jahr zum ersten Mal in der St. Johannes-Kirche in Wiemelhau­sen begangen wurde, seinen Anfang. Diese Neuerung wurde von allen Teilnehmern be­grüßt. War doch die Feier durch die Stille des Ortes und die ihrem Charakter angemes­sene Umgebung besonders eindrucksvoll. Nach Eintritt der Dunkelheit ging es mit bren­nenden Pechfackeln zum Vor­platz Seier, wo der Große Zapfenstreich unter reger Anteil­nahme der Bevölkerung dem Freitag einen würdigen Abschluß gab.

 

Am Samstagvormittag fand im Lottental das Königsschießen statt. Das Wetter war an die­sem Morgen nicht so gut, Nieselregen beeinträchtigte die sonst gute Stimmung während des Vogelschießens. Die Ehrenschüsse gaben Oberbürgermeister Claus, Polizeipräsident Graf von Hardenberg und der Rektor der Ruhr-Universität Professor Grosse ab. Als Georg Ring von der 2. Kompanie mit dem 65. Schuß den Vogel von der Stange holte, war aus dem Nieselregen ein regelrechter Bindfadenregen geworden. Trotzdem rückte das Batail­lon in geschlossener Marschordnung vom Schießstand zum Festzelt ab.

Zum Krönungsball am Abend hatte sich der Himmel wieder gelichtet, und wir konnten einen sehr guten Besuch des Zeltes verzeichnen. Als Ehrengäste begrüßten wir Oberbür­germeister Claus, Oberstadtdirektor Petschelt, Alt-OB Heinemann, sowie zahlreiche Vertre­ter der benachbarten Vereine und der beiden Konfessionen in unserer Mitte.

Den offiziellen Teil der Veranstaltung bildete die feierliche Krönung des neuen Königspaa­res Königs Georg I. Ring und Margarethe I. Reitemeier. Königsadjutant war Theodor Wie­nand. Es folgte die Ehrung der Trophäenerringer und der Goldjubilare. Nach der Polo­naise war die Tanzfläche für alle freigegeben. Auch dieser Festabend nahm wieder einen hervorragenden Verlauf bis in die frühen Morgenstunden.

 

Am Sonntag fand unter Teilnahme der beiden Nachbarvereine Stiepel und Weitmar bei verhältnismäßig schönem Wetter der Festumzug durch Wiemelhausen statt. Höhepunkt war der Vorbeimarsch an der Königstribüne vor der Kirche. Die vielfältigen Anstrengungen der einzelnen Kompanien zur Verschönerung des Festzuges fanden bei der zuschauen­den Bevölkerung starke Beachtung. Am Abend schloß sich der Königsball an, und wir konnten uns wieder über einen guten Besuch freuen.

 

Am Montag widmeten sich die Schützen der Bewirtung der Bochumer Waisenkinder. Über dreihundert Kinder aus drei Bochumer Heimen waren mit ihrem Begleitpersonen der Ein­ladung gefolgt.

Am Abend verwandelte wolkenbruchartiger Regen den Festplatz in eine einzige große Pfütze. Bis 21.00 Uhr war das Zelt noch fast leer, später, bei nachlassendem Regen, fanden sich doch noch einige Unerschrockene bei uns ein. Dennoch herrschte bei allen, die sich zum Schützenball und Festkehraus eingefunden hatten, ungetrübte Freude über das trotz des unwirtlichen Wetters doch noch recht gut verlaufene Jubiläums-Schützenfest.

 

Ein weiteres wichtiges Ereignis im Jahre 1972 war die Bildung einer neuen Kompanie, die unter der Bezeichnung 4. Kompanie mit 32 Gründungsmitgliedern zu den bereits beste­henden vier Kompanien, der Stammkompanie, 1. Kompanie, 2. Kompanie und 3. Kom­panie, stieß. Zum Kompanieführer wurde Winfried Gluma gewählt. Unter seiner Führung nahm die neue Kompanie einen beachtlichen Aufschwung und trat in der Folgezeit be­sonders bei den Schießveranstaltungen auf Bataillonsebene durch hervorragende sportli­che Leistungen hervor.

 

In der Mitglieder-Jahreshauptversammlung 1973 trat der bisherige Major und Bataillons­führer Helmut Reuse von seinem Amt zurück. Die Bataillons-Offfiziersversammlung wählte zu seinem Nachfolger den Schlossermeister Günter Mohr, der somit Mitglied des ge­schäftsführenden Vorstandes wurde. Ebenfalls gab der langjährige Geschäftsführer des Vereins Theodor Fuck sein Amt als 1. Schriftwart auf, und die Versammlung wählte zu sei­nem Nachfolger Eberhard Opp.

 

Im Jahre 1973 konnte der Verein im Saalbau Spitz in Stiepel seinen Königsball feiern, zu dem unsere Majestäten Georg I. und Margarethe I. eingeladen hatten. Nach der Be­grüßungsansprache durch den Vorsitzenden Theodor Schrepping nahm S.M. Georg I. die Überreichung der Offizierspatente an die in den letzten Jahren zu Offizieren beförderten Mitglieder vor. Danach wurde ausgiebig gefeiert und getanzt. Die Musik besorgte die Tanzkapelle der BOGESTRA. Alt und Jung waren mit dem schönen und harmonischen Verlauf des Balles zufrieden.

 

Ende des Jahres 1974 beschäftigte sich der Vorstand mit der Vorbereitung des Schützen­festes 1975. Die Planungen wurden aber zunehmend von Jahr zu Jahr durch immer wei­tergehende Auf­lagen und Einschränkungen der Genehmigungsbehörden erschwert, so z.B. auch für die Durchführung des Königsschießens im Lottental. Für die Theken wurde fließendes Wasser verlangt, für die Bedürfnisse sollten Toiletten vorhanden sein, usw. Um die Zuteilung des Nebenplatzes an der Glücksburger Straße gab es immer wieder Geran­gel mit dem Sport- und Bäderamt. Aber auch von den um den Nebenplatz anliegenden Nachbarn waren vermehrt Klagen über Geräuschbelästigungen laut geworden. Es wurde immer schwerer, ein Schützenfest ohne Schwierigkeiten zu planen und durchzuführen.

 

Das Schützenfest 1975 fand in der Zeit vom 18. bis 21. Juli statt. Die Totengedenkfeier in der St. Johannes-Kirche am Freitag war ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, daß die Bewah­rung traditioneller Rituale, verbunden mit einer modernen Auffassung über den Wert des Lebens, in heutiger Zeit durchaus das Interesse der Öffentlichkeit findet. Auch der Zapfen­streich auf dem Vorplatz Seier hatte ein starkes Echo in der Bevölkerung.

 

Das Königsschießen im Lottental am Samstagmorgen fand bei schönem Wetter statt. Eh­rengäste waren Bürgermeister Kunert und Polizeipräsident Graf von Hardenberg, die auch die Ehrenschüsse abgaben. Dann fiel Trophäe auf Trophäe, bis zuletzt nur noch der Rumpf auf der Stange saß. Mit dem 38. Schuß fiel auch dieser zu Boden, und Brenschede hatte einen neuen Schützenkönig. Es war unser Ex-Major Helmut Reuse, der die hohe Würde errungen hatte. Zur Königin erkor er Frau Maria Berghüser, zu seinem Adjutanten ernannte er Manfred Reza. Der Krönungsball am Abend im Festzelt galt nicht nur der Krönungsze­remonie, son­dern auch der Ehrung von 49 Mitgliedern, die auf eine 25-jährige Mitglied­schaft zurück­blicken konnten.

 

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des großen Festumzuges und des Zusammenseins mit den befreundeten Nachbarvereinen, die in diesem Jahr besonders stark vertreten waren. Leider machte uns Petrus einen Strich durch die Rechnung. Wegen anhaltend starken Regens löste sich der Festzug am Jugendheim der Stadt Bochum, Ecke Mark- und Bren­scheder Straße, auf und lief auseinander. Mit nassen Anzügen und triefenden Mützen traf man sich später im Zelt wieder. Trotzdem waren abends fast alle wieder trocken und nahmen in bester Stimmung am Königsball teil.

 

Der Montagnachmittag gehörte den Wiemelhauser Kindern. Gut dreihundert Kinder wa­ren unserem Ruf gefolgt und wurden von unseren Schützen mit Kuchen, Kakao und Limo­nade bewirtet. Der Verkehrskasper sorgte für fröhliche und dennoch lehrreiche Unterhal­tung. Wahl eines Kinderkönigs und einer -königin, Polonaise und anschließender Besuch der Fahrgeschäfte auf der Kirmes bildeten den Abschluß dieses schönen Kinderfestes.

Am Abend gehörte das Zelt wieder den Erwachsenen, die bei Musik und Tanz den Schüt­zenball und damit den Festausklang feierten.

 

Mitglieder-Jahreshauptversammlungen sind nie langweilig. So auch die Mitgliederver­sammlung 1976. Diese war von drei Besonderheiten geprägt.

Erstens stellte die Versammlung den Antrag, Frauen in den Verein aufzunehmen. In eini­gen Kompanien hatten sich in der letzten Zeit mehr und mehr die Damen der Mitglieder aktiv am Kompanieleben beteiligt, zum Teil auch eigene Schießgruppen gebildet. Damit die Frauen bei den Schießübungen jedoch vollen Versicherungsschutz genießen, wurde der Antrag gestellt, sie als vollwertige Mitglieder in den Verein aufzunehmen. Da die Sat­zung nicht im Widerspruch hierzu stand, verzichtete der Vorstand auf Abstimmung und gab dem Antrag statt. Trotzdem wurde aber Einigkeit darüber erzielt, daß die Frauen beim Königsschießen wohl innerhalb ihrer Kompanien mit auf die Trophäen, nicht aber auf den Rumpf schießen sollten.

Zweitens machte der Vorsitzende die Ankündigung, daß in diesem Jahr am 9. Mai ein Ba­taillonsausflug unter dem Motto „Fahrt zum Rhein“ stattfindet.

Drittens wurde von der Versammlung die Auflösung des Musik- und Fanfarenzugs bean­tragt. Der Musik- und Fanfarenzug, der im Jahre 1954 durch unseren Ex-König Heinrich Schafstall ins Leben gerufen wurde, und besonders unter der Leitung von Herbert Knapp und später Albert Stein eine Blütezeit erlebte, stellte eine wertvolle Bereicherung unseres Vereinslebens dar. Da der Musik- und Fanfarenzug in letzer Zeit seinen Verpflichtungen gegenüber dem Verein nicht mehr nachgekommen war, wurde beschlossen, ihm bis zum 1. September 1976 Gelegenheit zu geben, das Spiel wieder aufzunehmen und seine Verpflichtungen gegen den Verein einzulösen. Sollte diese Bedingung bis zum genannten Termin nicht erfüllt werden, so sollte der Beschluß wirksam werden.

Der Termin verstrich und auf Mahnungen erfolgte keine Reaktion. Somit wurde die Auflö­sung wirksam und das noch vorhandene Inventar sichergestellt und veräußert. Der Erlös wurde der Bataillonskasse zugeschlagen. Die Standarte des Musik- und Fanfarenzugs be­findet sich nach Umarbeitung heute im Besitz der 4. Kompanie.

 

Am 9. Mai 1976 unternahm der Verein einen Tagesausflug zum Rhein. An diesem ersten vom Vorstand geplanten und durchgeführten Ausflug beteiligten sich 336 Mitglieder und Angehörige. Frühmorgens starteten wir bei herrlichem Wetter mit einem Sambazug der Bundesbahn nach Rüdesheim. Dort angekommen gingen wir an Bord des Motor­schiffs „Vater Rhein“ und fuhren rheinab bis zur Lorelei. Dort wendete das Schiff und fuhr wieder stromauf bis Rüdesheim. Eine Musikkapelle sorgte an Bord für beste Stimmung und dem Wein wurde eifrig zugesprochen. In Rüdesheim wieder angekommen, konnte jeder über den restlichen Nachmittag frei verfügen und u.a. die Drosselgasse besichtigen. Ge­gen Abend bestiegen wir wieder unseren Sambazug und traten die Heimfahrt an. Allen, die an diesem Ausflug teilgenommen haben, ist er sicher auch heute noch in bester Erin­ne­rung.

 

Am 21. Mai 1977 feierte der Verein im Saal des katholischen Jugendheimes an der Bren­scheder Straße seinen Königsball, zu dem unsere Majestäten Helmut I. und Maria II. einge­laden hatten. Nach dem offiziellen Teil mit Begrüßung der Gäste und der Verleihung der Offizierspatente an die in den zurückliegenden Jahren beförderten Offiziere durch den König schloß sich ein buntes Programm mit hervorragenden Künstlern an. Zum Tanz spiel­ten die „Melodicas“ unter der Leitung von Manfred Köller auf. Wer aber nicht tanzen mochte oder konnte, der hatte auch Gelegenheit, sich in der Sektbar oder der unten im Erdgeschoß untergebrachten Bierbar oder beim kalten Buffet umzuschauen. Ein besonde­res Lob sei an dieser Stelle der katholischen Jugend ausgesprochen, die in vorbildlicher Weise für die Bewirtung der Gäste gesorgt hatte und so wesentlichen Anteil an dem gu­ten Gelingen des Festes hatte.

 

Das Jahr 1978 wurde wieder vom Schützenfest in Brenschede beherrscht. Bereits in der satzungsmäßig etwa ein halbes Jahr vor jedem Schützenfest durchzuführenden Batail­lons-Offizierssitzung am 17.03.1978 wurde für den im Januar 1977 zurückgetretenen Major Gün­ter Mohr ein neuer Major gewählt. Einziger Kandidat war unser Ex-König Georg Ring. Da kein Gegenkandidat vorhanden war, erfolgte die Wahl durch Handzeichen und Ge­org Ring wurde einstimmig zum neuen Major gewählt. Zum Bataillonsadjutanten berief er Klaus Reza, der dieses Amt auch schon unter Günter Mohr innegehabt hatte.

 

Im Vorfeld des Schützenfestes waren auch diesmal wieder etliche Hürden vor uns aufge­baut worden, die es zu nehmen galt, so daß der Vorstand sich schon sehr lange vor dem Fest intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigen mußte.

Der Nebenplatz an der Glücksburger Straße war von der Stadt Bochum aufgerissen wor­den, um eine Dränage einzubauen. Noch wenige Wochen vor dem Fest war nicht abzu­sehen, ob der Platz bis dahin überhaupt benutzbar sein würde. Der schleppende Fort­gang der Bauarbeiten bereitete uns das größte Kopfzerbrechen. Waren doch inzwischen alle Verträge mit Zeltverleiher, Kirmes und Musikkapellen fest abgeschlossen.

Als wir dann endlich die Genehmigung für die Benutzung des Platzes erhielten, war diese mit weitreichenden Auflagen verbunden, wie zum Beispiel einer unbegrenzten Schadens­haftung für den Fall, daß die Platzoberfläche und die neue Dränage durch den Aufbau des Zeltes und der Fahrgeschäfte beschädigt werden sollte. Hinzu kam, daß uns vom Ordnungsamt wegen einer Anliegerbeschwerde aus dem Jahre 1975 drastische Ein­schränkungen in Bezug auf die Schlußzeiten des Zeltbetriebes und die von ihm ausge­henden Geräuschemissionen unter Androhung einer empfindlichen Geldbuße angekün­digt wurden.

Eine weitere Schwierigkeit entstand uns dadurch, daß die Stadt Bochum inzwischen Eigen­tümerin des Grundstücks am Eichenweg geworden war und bereits mit Umbauarbeiten begonnen hatte, so daß wir dort unser Königsschießen auch nicht mehr durchführen konnten. So entschlossen wir uns, das Königsschießen künftig im Zelt durchzuführen. Soweit einiges über die Vorgeschichte des Schützenfestes, die unbedingt verdient, hier erwähnt zu werden.

 

Dann aber war es doch soweit, und wir konnten in der Zeit vom 15. bis 18. September 1978 unser Bürgerschützen- und Volksfest feiern. Am Freitagabend, als wir mit klingendem Spiel durch die Straßen von Wiemelhausen zur Totengedenkfeier marschierten, war die ganze Aufregung der letzten Wochen und Monate vergessen. In der St. Johannes-Kirche, in der wir nun schon zum dritten Male unserer Toten gedachten, war diese Feierstunde auch in diesem Jahr wieder ein beredtes Zeugnis dafür, daß das Andenken an unsere toten Kameraden und Mitbürger sowohl uns Schützen, wie auch der ganzen Wiemelhau­ser Bevölkerung ein ernstes und herzliches Anliegen ist.

Beim anschließenden Großen Zapfenstreich auf dem Vorplatz Seier bewiesen das Schüt­zenmusikkorps Herdecke und der Spielmannszug Horrido-Langendreer ihr musikalisches Können, und dank des trockenen Wetters hatte sich eine große Zuschauermenge einge­funden, die mit Interesse daran teilnahm.

 

Am Samstagmorgen fand im Festzelt das Königsschießen statt. Als Ehrengäste konnten wir Oberbürgermeister Heinz Eickelbeck und Polizeipräsident Dieter Berndt unter uns begrüs­sen, die mit ihren Ehrenschüssen das Schießen eröffneten. Nachdem alle Trophäen vom Vogel abgeschossen worden waren, fiel mit dem 915. Schuß endlich auch der Rumpf zu Boden, und Brenschedes neuer Schützenkönig hieß Winfried I. Gluma, Hauptmann der 4. Kompanie. Zu seinem Adjutanten ernannte er Werner Schatz, und zu seiner Königin erkor er Frau Hannelore Schmidt, die Wirtin des Stammlokals der 4. Kompanie Haus Reinert. Am Abend feierten wir im Festzelt den Krönungsball. Nach dem feierlichen Einzug von Maje­stäten und Throngefolge, sowie der Festansprache des Vorsitzenden folgte die Proklama­tion und Krönung des neuen Königspaares. Die Auszeichnung der Trophäenerringer und die Ehrung der Jubilare rundeten den offiziellen Teil des Abends ab. Danach eröffnete der Thron mit der für Wiemelhausen so typischen Polonaise den Tanz. Die uns schon vom letz­ten Schützenfest bekannte Combo „The Swing-Players“ sorgte für eine vorzügliche Stim­mung im Zelt, denn sie spielte Tanzmusik nicht nur für die Jugend, sondern auch für die Älteren. Bis zum frühen Morgen herrschte ungetrübte Festesfreude.

 

Der Höhepunkt des Sonntags war der große Festumzug durch Wiemelhausen. Die Beteili­gung der Nach­barvereine von Stiepel und Weitmar, sowie auch der Maiabendgesell­schaft, war wieder recht groß. Eine starke Abordnung des Schützenvereins aus Dahle und eine Abordnung der Schützengesellschaft aus Emmen bereicherten mit ihren grünen Uniformen und Schützenhüten den Zug, ebenso die zahlreichen Kapellen und Spiel­mannszüge in ihren bunten Trachten. Die ganze Bevölkerung von Wiemelhausen war auf den Beinen, um sich den Festzug anzusehen. Dieses Jahr hatte selbst der Wettergott ein gütiges Auge auf uns geworfen, an allen drei Tagen herrschte freundliches, warmes Herbstwetter. Abends im Zelt dann der Königsball. Viele Bekannte trafen sich hier wieder, alte und neue Freund­schaften wurden bei Musik, Tanz und fröhlichem Umtrunk aufge­frischt, geschlossen oder gepflegt.

 

Der Montagnachmittag war den Wiemelhauser Kindern vorbehalten. Sie wurden im Zelt mit Gebäck, Kakao und Limonade bewirtet. Onkel Albert mit seinem Clown Charlie un­terhielt sie mit seinen Späßen und Spielen. Kinderlachen und begeistertes Geschrei erfüll­ten das Zelt. So war auch der Montagnachmittag wieder eine gelungene Sache.

Am Abend traf man sich im Zelt zum Schützenball. Noch einmal erscholl Tanzmusik aus den Lautsprechern, drehten sich Jung und Alt beim Tanz, erscholl „Gut Schuß!“ und „Blau-Weiß!“ von den Theken herüber. Noch einmal konnte man in der Sektbar eine „dicke Pulle“ aufmachen, oder draußen am Imbißstand ein Zwiebelfleisch verzehren. Aber es war unwiderruflich der letzte Abend, und auch der ging einmal zu Ende. Damit war das Schützenfest 1978 vorbei. Es war besser und harmonischer verlaufen, als man dies nach all den Schwierigkeiten der Vorbereitung hatte erwarten können. Nicht zuletzt waren es das tadellose Zelt und der vorzüglich organisierte Gastronomiebetrieb von August Balster, die gute Tanzkapelle unter Rudolf Kögel und das gute Wetter, die uns an allen Tagen ei­nen guten Zeltbesuch, und damit auch volle Kassen bescherten.

 

Da der Vereinsausflug „Fahrt zum Rhein“ 1976 bei allen Mitgliedern so großen Anklang gefunden hatte, entschloß sich der Vorstand, im Jahre 1979 wieder einen Vereinsausflug zu unternehmen. Wie bereits vor drei Jahren, so fand der Ausflug auch dieses Mal am Muttertag, dem 13. Mai 1979, statt. Auch in diesem Jahr zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite, und das allein war schon die beste Voraussetzung für einen gelungenen Tag.

Mit einem D-Zug, an den in Dortmund für uns drei D-Zugwagen und ein Tanzwagen ange­hängt worden waren, ging die Fahrt ab Bochum Hbf. nach Remagen. Nach ca. 400 m Fußweg kamen wir zum Anlegesteg am Rheinufer. Mit dem Fahrgastschiff „Carmen Silva“ setzten wir unsere Fahrt rheinaufwärts fort. Mittags erreichten wir Koblenz und legten in der Nähe der Rheinbrücke beim „Weindorf“ an.

Schon während der Bahnfahrt hatten viele von uns eine ausgezeichnete Stimmung. Die tadellose Bewirtung im Zug, sowie auch die gut funktionierende Musikübertragung und ein fleißiger Disc-Jockey haben dazu wesentlich beigetragen. Auf dem Schiff setzte sich die gute Stimmung fort. Wenn auch das Schiff flußauf nicht in der vorgegebenen Zeit vor­ankam, so wurden wir doch durch die schöne Aussicht auf das rechte und linke Rhein­ufer dafür entschädigt. Allerdings kamen wir mit fast einer Stunde Verspätung im Weindorf an und hatten einen tüchtigen Hunger bekommen. Trotz unserer Verspätung war der Wirt jedoch sehr bemüht, uns schnell und gut zu  bedienen. Das gemeinsame Mittagessen, dazu eine gute Flasche Wein, brachten unsere müden Lebensgeister wieder auf Trab. Inmitten der carreeförmig angeordneten Gasthäuser des Weindorfs befand sich eine Tanzfläche, und eine Kapelle spielte zum Tanz auf. Wir nahmen gerne Gelegenheit, uns von der Rhein-Moselländischen Fröhlichkeit anstecken zu lassen und verbrachten den restlichen Nachmittag in bester Ausflugsstimmung. Wer das Tanzbein nicht mehr so gerne bewegen wollte, hatte Gelegenheit zu einem Spaziergang durch die Koblenzer Altstadt, zum Deutschen Eck oder zur Feste Ehrenbreitstein auf der anderen Rheinseite.

Am frühen Abend mußten wir aufbrechen, um unseren Zug zur Rückfahrt pünktlich zu er­rei­chen. Auch auf der Rückfahrt setze sich im Zug die ausgelassene Stimmung weiter fort. Ehe wir uns dessen richtig bewußt wurden, hatten wir wieder unseren Heimatort Bochum erreicht. Vielen hatte es im Zug so gut gefallen, daß sie beim Aussteigen sagten: “Meinetwegen hätte der Zug noch bis Hamburg weiterfahren können.“ Alles in allem war auch der Vereinsausflug 1979 wieder eine gelungene Veranstaltung und alle die ihn mit­gemacht haben, erinnern sich noch gerne daran zurück.

 

Im Jahre 1980 stand der Königsball Ihrer Majestäten König Winfried I. Gluma und Königin Hannelore I. Schmidt am 10. Mai im katholischen Jugendheim im Mittelpunkt des Ver­einsgeschehens. Der Saal war von den Mitgliedern der 4. Kompanie sehr schön ausge­schmückt worden, und der Andrang der Besucher war groß, als diese um 19.00 Uhr einge­lassen wurden. Während des offiziellen Teils hatten wir große Schwierigkeiten, allen Besu­chern einen Sitzplatz anbieten zu können.

Nach der Begrüßungsansprache unseres Vorsitzenden Theo Schrepping schloß sich die Verleihung der Offizierspatente an. Ein buntes Unterhaltungsprogramm mit vielen guten Künstlern sorgte ebenso für gute Stimmung, wie auch Gerhard Köller mit seinen Musikern. Das Fest nahm einen harmonischen Verlauf, und auch unser Königspaar und die Königs­kompanie konnten mit dem Erfolg dieser Veranstaltung zufrieden sein.

 

Im Jahre 1981 fand wieder ein Bürgerschützen- und Volksfest mit Königsschießen vom 11. bis 14. September in Wiemelhausen statt. Dieses Mal hatten wir mit der Platzfrage nicht die Schwierigkeiten wie vor drei Jahren. Alle Verträge konnten zügig mit Zeltverleiher und Musikkapellen abgeschlossen werden, und auch alle anderen Vorbereitungen gingen gut voran. Am Donnerstag war das Zelt bereits aufgebaut, und die Kirmesleute montier­ten ihre Fahrgeschäfte. An den verschiedenen Brennpunkten im Ortsteil Brenschede wa­ren fleißige Mitglieder des Vereins damit beschäftigt, Fahnen aufzustellen und Transpa­rente zu spannen, um so Wiemelhausen ein festliches Kleid anzulegen.

Am Freitagabend marschierten die Schützen zur Totengedenkfeier in der St. Johannes-Kirche. Nach der Gedenkfeier marschierten wir mit brennenden Fackeln zum Vorplatz Seier. Dort fand unter zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung der Große Zapfenstreich statt. Jedesmal ist der Große Zapfenstreich einer der Höhepunkte unserer Schützenfeste. Nach einer Ansprache des Vorsitzenden, in der er auch die Bevölkerung herzlich zu unse­ren Festveranstaltungen einlud, marschierten wir zum Festzelt, wo wir den ersten Tag des Festes ausklingen ließen.

 

Der Samstag sah uns wieder beim Königsschießen, das wie bereits vor drei Jahren, im Festzelt stattfand. Oberbürgermeister Heinz Eickelbeck und der ständige Vertreter des Polizeipräsidenten, Reg.-Dir. Kaldewey, eröffneten mit ihren Ehrenschüssen das Königs­schießen. Nachdem auch die letzte Trophäe gefallen war, gehörte der Schießstand nur noch der Stamm-Kompanie als der turnusmäßigen Königskompanie. Hart und ausdau­ernd wurde gekämpft, bis endlich mit dem 74. Schuß auch der Rumpf zu Boden fiel. Groß war der Jubel der Schützen, als sie ihrem neuen Schützenkönig Heinz Popien den Sieger­kranz umhängten. König Heinrich X. ernannte zu seinem Adjutanten Heinz Köller und erkor zu seiner Mitregentin Frau Christel Brust.

Abends fand dann im Zelt der Krönungsball statt. Neben dem offiziellen Teil, der mit der Proklamation und Krönung des neuen Königspaares, der Ehrung der Trophäenerringer und der Jubilare begann, hatte unser Verein in diesem Jahr ein ganz besonderes Ereignis zu feiern.

Nachdem die im Jahre 1903 angeschaffte Vereinsfahne uns fast achtzig Jahre bei jedem Wetter treu auf allen Wegen begleitet hatte und ihr Äußeres mit der Zeit sehr gelitten hatte, entschloß sich der Vorstand im Jahre 1980 dazu, eine neue Fahne anzuschaffen. Den Entwurf für die Gestaltung der Vorder- und Rückseite übernahm unser Vereinsmit­glied Peter Konkol. Rechtzeitig zum Schützenfest 1981 war die neue Fahne fertig gewor­den und wurde nun beim Krönungsball ihrer Bestimmung übergeben. Ehrenvorsitzender Heinrich Herker hielt aus diesem Anlaß die mit großer Begeisterung aufgenommene Fest­ansprache und übergab die Fahne an das Fahnenkommando der Königskompanie.

Danach eröffnete der Thron mit der Polonaise den Tanz. Der weitere Abend nahm einen fröhlichen und ungestörten Verlauf.

 

Der Sonntag gehörte wie immer dem großen Festumzug in Brenschede. Bei schönem Wetter und unter großer Anteilnahme der Wiemelhauser Bevölkerung, begleitet von zahlreichen Musikkapellen und Spielmannszügen, blumengeschmückten Kutschen mit den Königspaaren von Brenschede, Stiepel und Weitmar, den grünen Gästen aus Dahle und Emmen und einer Abordnung der Bochumer Maiabendgesellschaft, so präsentierten sich die Schützenvereine des Bochumer Südens der begeisterten Menge.

Abends trafen sich alle Festzugteilnehmer mit der Bevölkerung beim Königsball im Festzelt wieder. Der offizielle Teil war kurz und danach wurde getanzt. Auch dieser Ball verlief be­stens und alle Festteilnehmer hatten ihre Freude daran.

 

Der Montag sah die Wiemelhauser Kinder im Zelt zu fröhlichem Treiben vereint. Das Unter­haltungsprogramm lag auch diesmal wieder in den Händen des bewährten Onkel Albert mit seinem Clown Charlie, die bei den Kindern keine Langeweile aufkommen ließen.

Abends war dann Schützenball und somit auch Schützenfestausklang. Auch dieser letzte Abend sah noch einmal ein volles Zelt, tanzende Paare und lachende Schützen, die an der Theke ihre Runden aufließen und ausgelassen feierten.

Dann war das Schützenfest 1981 endgültig vorbei, ein Schützenfest, das sich würdig an die lange Reihe schöner und gelungener Feste in Brenschede anschließen konnte.

 

In der Mitglieder-Jahreshauptversammlung am 13.03.1982 trat der 2. Vorsitzende Heinz Popien von seinem Amt zurück. An seine Stelle wählte die Versammlung den Hauptmann der 4. Kompanie Winfried Gluma zum neuen 2. Vorsitzenden. Mit Brief an den 1. Vorsit­zenden Theo Schrepping hatte der 1. Kassenwart Walter Thunemann seinen Rücktritt er­klärt. An seine Stelle wählte die Versammlung Klaus Esser, Mitglied der 2. Kompanie, zum neuen 1. Kassenwart.

 

Im Jahre 1982 veranstaltete der Vorstand erneut einen Bataillonsausflug. Dieser dritte Aus­flug des gesamten Bataillons innerhalb von sieben Jahren führte uns zum Weinblütenfest nach Bad Hönningen am Rhein. Bei Abwägung aller Umstände, die bei der Wahl des Ausflugszieles für einen Tagesausflug mit ca. 320 bis 350 Personen zu berücksichtigen wa­ren, konnte die Entscheidung nur wieder für eine Fahrt zum Rhein fallen. Ein Sonderzug mit Tanzwagen, sauber und nur aus 1.- Klasse-Wagen zusammengestellt, stand uns für den ganzen Tag zur Verfügung.

Am Sonntag, dem 6. Juni, fuhren wir früh morgens von Bochum Hbf. ab. Nach zwei Stun­den er­reichten wir Linz am Rhein und gingen an Bord des Motorschiffes „MS Romantika“. Während der Schiffahrt auf dem Rhein nahmen wir gemeinsam ein Mittagessen ein, das von allen Teilnehmern sehr gelobt wurde. Bei der Terminwahl 6. Juni hatten wir auch diesmal eine glückliche Hand, denn der Wettergott meinte es besonders gut mit uns. Mit­tags legte unser Schiff wieder in Linz an und wir verließen, inzwischen schon in gehobener Stimmung, den schwimmenden Untersatz. Nach einem kurzen Rückweg zum Bahnhof bestiegen wir unseren Sonderzug, der uns nur ein paar Kilometer weiter nach Bad Hönnin­gen fuhr. Am Bahnhof wurden wir von einer einheimischen Blaskapelle mit Musik empfan­gen, dann ging es mit Musikbegleitung durch den festlich geschmückten Ort zum Wein­markt. Dort fand die offizielle Begrüßung durch den Bürgermeister und die Weinkönigin von Hönningen statt.

Nach einer mehr oder weniger ausgedehnten Kostprobe der auf dem Markt angebote­nen Weine verbrachte jeder den Rest des schönen Nachmittags auf seine Weise. Die ei­nen statteten den zum Teil recht netten Lokalen des Ortes einen Besuch ab, die anderen nutzten das gute Wetter zu einem Bummel durch die malerischen engen Gäßchen oder am Rheinufer entlang. Abends hieß es Abschied nehmen, und wir bestiegen unseren Zug, der uns nach Hause bringen sollte.

Im Zug setzte sich die gute Stimmung noch einmal so richtig durch, nicht zuletzt dank des fleißigen Disc-Jockeys, den die Bahn uns mit auf den Weg gegeben hatte. Nach zwei­stündiger Rückfahrt erreichten wir unseren Heimatbahnhof Bochum und begaben uns auf den Heimweg Richtung Wiemelhausen. Für alle, die an diesem Ausflug teilgenommen haben, war wieder einmal ein schöner, erlebnisreicher Tag in der großen Gemeinschaft unseres Schützenvereins zu Ende gegangen.

 

Der bisherige Bataillonsführer Major Georg Ring hatte im März 1983 schriftlich seinen Rücktritt erklärt. In der außerordentlichen Bataillons-Offiziersversammlung am 26.08.1983 wurde der Ex-Hauptmann der 3. Kompanie Werner Mathies zum neuen Major gewählt. Zu seinem Adjutanten ernannte er Willi Wiethoff, Oberleutnant der 3. Kompanie.

 

Am 28. Mai 1983 feierte der Verein den Königsball seiner Majestäten Heinrich X. Popien und Christel I. Brust im festlich geschmückten Jugendheim St. Johannes. Am Eingang wurden alle Gäste vom Königspaar mit einem kleinen Präsent persönlich begrüßt. Nach der Begrüßungsansprache unseres 1. Vorsitzenden erhielten alle in den letzten drei Jahren beförderten Offiziere aus der Hand des Königs ihre Offizierspatente überreicht.

An diesen offiziellen Teil schloß sich ein buntes Unterhaltungsprogramm an. Die Adams-Quatro-Band bestritt den musikalischen Teil und trug mit ihren humoristischen Musikeinla­gen sehr zur Erheiterung und guten Stimmung der Festbesucher bei. Auch der Conféren­cier Rolf J. Schichel, der mit seiner Gattin und Tochter als Zauberkünstler viel Beachtung und Beifall fand, hatte seinen Anteil am guten Gelingen der Veranstaltung.

Bei Unterhaltung und flotten Tanzrhythmen verflogen die Stunden und keiner merkte so recht, daß es doch schon wieder spät geworden war. So ging auch der Königsball 1983 zu Ende, und wir sind unserem Königspaar und der an der Ausrichtung maßgeblich betei­ligt gewesenen Stamm-Kompanie für dieses schöne Fest sehr dankbar.

 

1984 war wieder ein Schützenfestjahr. Alle Vorbereitungen hierfür waren bereits 1983 gut an­gelaufen, so daß der Vorstand dem bevorstehenden Fest mit Ruhe und Gelassenheit entgegensehen konnte. Doch dann kam wieder einmal etwas auf uns zu, mit dem wir nicht gerechnet hatten, nämlich die Auswirkungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und da namentlich die der Verordnung zur Lärmbekämpfung, TA-Lärm genannt. Von den darin enthaltenen Bestimmungen über die Vermeidung von ru­hestörendem Lärm und die Einhaltung der Nachtruhe zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr hatte das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Bochum erstmalig bei der Erteilung der Festgenehmigung Gebrauch gemacht.

Der Vorstand beschloß, durch Handzettel alle Anlieger auf unsere Lage hinzuweisen und sie darum zu bitten, im Interesse eines gutnachbarschaftlichen Verhältnisses auf Be­schwerden zu verzichten. Im übrigen nahm sich der Vorstand vor, das Fest trotzdem in dem von uns vorgesehenen Umfang durchzuführen.

 

Das Fest nahm seinen Anfang am Freitagabend mit der Totengedenkfeier und dem Gros­se­n Zapfenstreich. Am Samstagmorgen marschierten wir zum Königsschießen im Fest­zelt. Nach dem Ehrenschuß für die Stadt durch Oberbürgermeister Heinz Eickelbeck und dem für das Land durch den Vertreter der Polizeibehörde, Herrn Erftemeier, sowie den Ehren­schüssen der Ex-Könige des Vereins, nahm das Schießen seinen Lauf. Erstmalig in der Vereinsgeschichte nahmen auch unsere Damen am Trophäenschießen teil. So errang Edith Meyer von der 1. Kompanie die Ehrenscheibe rechts außen und Christel Rose von der 2. Kompanie die Krone. Nach dem 674. Schuß war auch die letzte der Trophäen ge­fallen und nur noch der Rumpf wartete auf seinen Bezwinger. Nach weiteren 145 Schüs­sen lag nun endlich auch der Vogel auf dem Boden. Hans Marecki von der 1. Kompanie hatte den entscheidenden letzten Schuß abgegeben und war damit unser neuer Schüt­zenkönig. Zu seinem Adjutanten ernannte er Friedrich Klocke und zu seiner Mitregentin erkor er seine Gemahlin Elisabeth. Damit hatte das Königsschießen 1984 seinen Abschluß gefun­den.

Der Abend sah uns alle zum Krönungsball im Festzelt wieder versammelt. Nach der feierli­chen Proklamation und Inthronisierung unseres neuen Königspaares Johannes II. und Eli­sabeth III. erhielten die Trophäenerringer ihre Auszeichnungen aus der Hand des neuen Königs und auch 10 Jubilaren wurde ihre Ehrung für 25-jährige Mitgliedschaft zuteil.

Nach dem offiziellen Teil eröffnete der Thron mit der Polonaise den Tanz, dann aber sorgte die HERBO-Band mit Musik unermüdlich für ausgezeichnete Stimmung im Zelt. Bei Tanz und Trunk ging der erste Ball des Festes bis in die frühen Morgenstunden, ohne daß das Fest gestört worden wäre.

 

Am Sonntagmorgen weckte Theo Dickamp mit der Spielleutevereinigung Horrido-Lan­gendreer unsere müden Schützen, und am frühen Nachmittag traten alle zum Großen Festumzug durch Wiemelhausen an. Herrlicher Sonnenschein verhieß einen Festzugsonn­tag, wie man ihn sich nicht schöner vorstellen konnte. Ein farbenprächtiger Umzug mit vielen Musikkapellen und Spielmannszügen, mit den blumengeschmückten Kutschen der Königspaare, mit den zahlreichen Teilnehmern aus Stiepel und Weitmar sowie der Mai­abendgesellschaft, mit den Gastvereinen aus Dahle und Emmen, sie alle boten der am Straßenrand sich drängenden Zuschauermenge ein eindrucksvolles Schauspiel, aber auch den Beweis dafür, wie sehr auch in heutiger Zeit die Tradition der alten Schützen­vereine unter uns lebendig ist.

Am Abend folgte dann der Königsball im Zelt. Abordnungen der Gastvereine erwiesen unserem Königspaar ihre Referenzen und überbrachten die Glückwünsche ihrer Vereine. Nach der kurzen offiziellen Begrüßung der Gäste und Eröffnung des Tanzes mit der Polo­naise des Throns verlief auch dieser Ball in Harmonie und Fröhlichkeit.

 

Am Montagnachmittag gehörte das Festzelt wieder den Wiemelhauser Kindern. Über 300 Kinder wurden von unseren Schützen und ihren Frauen bewirtet. Danach sorgte Onkel Albert mit seinem Clown Charly für Spaß und Kurzweil. Dafür belohnte ihn das Lachen und begeisterte Geschrei aus 300 Kinderkehlen. Wie schon bei den früheren Schützenfesten, war auch dieser Kindernachmittag ein gelungener Teil unseres Festprogramms.

Abends trafen sich die Schützen mit ihren Familien, Freunden und Bekannten noch einmal beim Schützenball. Das scheidende Königspaar Heinrich X. und Christel I. überreichte der Siegerkompanie den von Ihm gestifteten Königspokal. Voll Stolz und Freude konnte der Schießoffizier der 3. Kompanie Willi Wiethoff den Pokal entgegennehmen.

Ungebrochen war der Wille unserer Schützen, auch den letzten Abend des Schützenfestes noch einmal in vollen Zügen zu genießen. Musik und Tanz, sowie reger Thekenbetrieb mit dem Auflassen von unzähligen Runden mit dem Ruf „Gut-Schuß!“ und „Blau-Weiß!“ er­füllte bis in den frühen Morgen das Zelt. Aber es kam doch die Stunde, da alle von die­sem schönen Schützenfest Abschied nehmen mußten, das Fest war zu Ende.

 

Das Jahr 1985 war wieder durch einen Vereinsausflug am 19. Mai geprägt. Dieses Mal hatten wir uns für Reisebusse als Beförderungsmittel entschieden. Unser erstes Tagesziel war der Duisburger Hafen. Während einer ca. 1-stündigen Hafenrundfahrt durch die aus­gedehnten Hafenanlagen machten wir uns ein Bild von Europas größtem Binnenhafen. In Xanten hatten wir Gele­genheit zum Besuch des „Archäologischen Parks“ mit seinen inter­essanten Rekonstruktio­nen aus der Römerzeit. Gleichwohl lud uns auch der sehenswerte mittelalterliche Stadt­kern von Xanten zu einem Besuch ein.

Von hier ging die Fahrt weiter nach Pfalzdorf bei Goch am Rhein. Im Ausflugslokal „Heidekrug“ erwartete uns ein gemeinsames Kaffeetrinken. Danach bestand die Mög­lichkeit, am Preiskegeln oder Preisschießen teilzunehmen. Wer beides nicht wollte, konnte auch im nahegelegenen Reichswald spazieren gehen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen war im Saal des Lokals für Tanz und Unterhaltung gesorgt, und die Stunden gingen wieder einmal viel zu rasch vorbei. Spät abends tra­ten wir die Rückfahrt an und gelangten wohlbehalten kurz vor Mitternacht wieder zu Hause an.

 

Die 1. Kompanie konnte 1986 auf ihr 80-jähriges Bestehen zurückblicken. Am 12.07.1986 wurde dieses Ereignis in würdiger Form als Sommerfest, verbunden mit der Feier des 80-jährigen Jubiläums, begangen.

 

Am 11. Oktober 1986 feierte das Bataillon im Saalbau Spitz in Stiepel den Königsball seiner Majestäten König Johannes II. und Elisabeth III., zu dem das Königspaar alle Mitglieder des Vereins mit Ihren Frauen, Bräuten oder Freundinnen eingeladen hatte. Nach dem Einzug des Königspaares mit Adjutant und Ehrendame begrüßte Vorsitzender Theo Schrepping alle Anwesenden, besonders auch die Königspaare der befreundeten Ver­eine von Stiepel und Weitmar. Sodann erfolgte die Übergabe der Offizierspatente an die seit dem letzten Königsball zu Offizieren beförderten Mitglieder durch unseren König Jo­hannes II.

An den offiziellen Teil schloß sich ein buntes Programm an, durch das Horst Freekmann, bekannt als Harald-Juhnke-Imitator, führte. Gebhard Reichwald mit seinen Sprechzauber-Darbietungen konnte viel Beifall ernten, und die spanische Jugendgruppe LA TUNA sorgte mit ihren zündenden Rhythmen und Volkstänzen für die richtige Einstimmung. Zum Tanz spielte das „Amtsrat-Quartett“ aus Langendreer auf. Der Ball nahm einen sehr zufrieden­stellenden Verlauf, und bis in den frühen Morgen amüsierte sich Jung und Alt beim Tanz, in der Sektbar, oder an der Theke im Lokal; es war für jeden Geschmack gesorgt. Der Kö­nigsball 1986 hat sich in die lange Reihe der vorangegangenen Königsbälle und Batail­lonsfeste würdig eingereiht und ist uns, die wir dabei waren, noch in bester Erinnerung.

 

Die Stammkompanie führt ihr Gründungsjahr auf das Jahr der Vereinsentstehung 1797 zurück. Danach hatte die Stammkompanie 1987 ihr 190-jähriges Jubiläum, das im Stammlokal Haus Hanefeld feierlich begangen wurde.

 

Die 2. Kompanie konnte 1987 auf ihr 60-jähriges Bestehen zurückblicken und feierte dieses Jubiläum am 17.10.1987 im Kompanielokal Schmidt-Berges.

Neben diesem erfreulichen Ereignis hatte aber nicht nur die 2. Kompanie, sondern mit ihr der gesamte Verein, das Ableben unseres ältesten Mitgliedes Paul Dickamp zu betrauern. Am 26. September 1987 wäre Paul Dickamp 97 Jahre alt geworden. Bis hin zu diesem ho­hen Alter hatte er noch immer sehr reges Interesse am Vereinsleben ge­zeigt, und bis vor wenigen Jahren noch an jeder Veranstaltung des Vereins teilge­nom­men. Sechzig Jahre war Paul Dickamp Mitglied unseres Vereins, und wir haben allen Grund, sein Andenken stets in Ehren zu halten. Am Schützenfestfreitag unterzogen wir uns der traurigen Pflicht, diesen alten und verdienten Schützenkameraden zu Grabe zu tra­gen.

 

Am Abend begann das Schützenfest 1987 mit der Totengedenkfeier in der St. Johannes-Kirche und dem sich anschließenden Großen Zapfenstreich auf dem Vorplatz Seier. An­schließend begleitete uns noch eine große Zuschauermenge bei dem Abmarsch ins Fest­zelt an der Glücksburger Straße.

 

Der Samstagmorgen vereinte uns und viele Zuschauer im Zelt beim Königsschießen. Nach hartem Ringen fiel eine Trophäe nach der anderen, drei jedoch, Krone, Zepter und rech­ter Flügel wurden von unseren weiblichen Mitgliedern errungen. Nachdem alle Trophäen gefallen waren, entschieden allein die Mitglieder der 2. Kompanie darüber, wer von ih­nen der neue König werden sollte. Nach dem 80. Schuß auf den Rumpf war es geschafft, und der Vogel fiel zu Boden. Der Verein hatte einen neuen Schützenkönig. Hermann Kraus hieß der glückli­che Erringer der Königswürde. Zu seinem Adjutanten ernannte er Günter We­ber und schickte ihn zu seiner auserwählten Königin, um ihre Zusage einzuho­len. Als Gün­ter Weber zurückkam stand fest: Die neue Königin heißt Rosemarie Litwin.

Am Abend dieses Tages empfing das neue Königspaar Hermann I. und Rosemarie I. aus den Händen des scheidenden Königspaares Johannes II. und Elisabeth III. die Insignien ihrer Herrschaft. Der neue König zeichnete die Trophäenerringer aus und ehrte die Jubi­lare. Zur Verschönerung des Festes tanzten die Damen der 2. Kompanie in historischen Kostümen eine „Française“, eine Parodie auf die Tänze am französichen Königshof im 18. Jahrhundert. Daran schloß sich der Krönungsball mit der Polonaise des Throns und dem Tanz an, der alle Anwesenden, Schützen wie Gäste, in froher Runde bis zum frühen Mor­gen ver­einte.

 

Am Sonntagmorgen wurden die Brenscheder durch das Wecken wieder munter ge­macht. Nachmittags formierten sich die Vereine von Stiepel, Weitmar und Brenschede, sowie auch die Gäste der Bochumer Maiabendgesellschaft, des Schützenvereins aus Dahle und der Schützengesellschaft aus Emmen zum großen Festumzug durch Wiemel­hausen, der im Festzelt endete. Besonders zu erwähnen sind hier die Damengruppen, die mit ihren farbigen Kostümen bunte Tupfen in dem durch einheitliche Anzugsordnung der Schützen geprägten Zug bildeten.

Abends dann der Königsball im Festzelt. In Gesellschaft der Freunde unserer Nachbar­vereine wurde auch dieser Ball zu einer Veranstaltung der Begegnungen. Hier trafen sich Bekannte aus dem Bochumer Süden und feierten in bester Feststimmung bis nach Mitter­nacht und länger.

 

Am Montag bewirteten die Brenscheder Schützen mit ihren Frauen im Festzelt die Wie­melhauser Kinder. Für die Unterhaltung der Kleinen sorgte die Gruppe „Dreirad“ von der Kinderbetreuung der Stadt Bochum.

Am Abend trafen sich dann wieder alle Schützen mit ihrem Anhang im Festzelt zum Schützenball, dem Kehraus eines jeden Schützenfestes. Vor Beginn des Balles erfolgte die feierliche Übergabe des Königspokals 1984-1987 durch den abtretenden König Johannes II. an die Gewinnerin des Pokals, die 1. Kompanie. Dann folgte die Eröffnung des Balls mit der Polonaise des Throns und Tanz bis zum frühen Morgen.

An den Theken wurden noch einmal lautstark Runden aufgelassen, draußen am Imbiß­stand noch ein letztes Bratwürstchen verzehrt und zu guter Letzt in der Sektbar die letzten Biermarken umgesetzt, bevor sie in ein paar Stunden nur noch Makulatur sein würden. Ein Schützenfest war zu Ende gegangen, das einen harmonischen Verlauf genommen hatte.

 

Wenn der Verein im Jahre 1988 wieder zu einem Bataillonsausflug startete, so war es in­zwischen schon ein seit 1976 regelmäßig geübter Brauch, im Jahr nach dem Schützenfest einen Ausflug zu unternehmen. Am 29. Mai wurden alle Teilnehmer von Bus­sen an ihren Kompanielokalen abgeholt. Im Autobus-Convoy ging es zum Seiler See. Das Wetter war an die­sem Tage durchwachsen, d.h. man konnte dem Himmel alles mögliche zutrauen. Trotz­dem war die Stimmung in den Bussen gut.

Am Seiler See angekommen, nahmen wir im Seelokal das Mittagessen ein. Nach dem Essen setzten wir unsere Fahrt durch das Hönnetal zum Sorpesee fort. Auf dem Sorpesee konnten wir mit dem Schiff eine Seerundfahrt machen und hernach im Seehof gemein­sam zu Abend essen. Danach war Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen. Die Rück­fahrt sah uns dann alle in einer besonderen Hoch­stimmung, die unter anderem in den Wechselgesängen des damals so beliebten „Ole-ole-ole-ole, we are the Champions, ole!“ ihren Ausdruck fand.

Wenn uns dieser Ausflug auch nicht allzu fern von unserem Heimatort entführte, so hat er doch sicher seinen Zweck erfüllt, nämlich uns allen einen gemeinsam verbrachten schö­nen Tag zu bescheren.

 

Der 20. Mai 1989 war der Tag des Königsballs, zu dem unsere Majestäten Hermann I. und Rosemarie I. alle Mitglieder eingeladen hatten. Der Saalbau Spitz in Stiepel war von der 2. Kompanie, der Königskompanie, in den Farben Blau-Weiß und mit viel Blumendekor her­vorragend geschmückt worden. Ein besonderer Ausschuß hatte sich um das Programm gekümmert und als Tanzkapelle das Soundland-Sextett, sowie verschiedene Künstler aus Süddeutschland und dem benachbarten Holland für dieses Fest verpflichtet.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden und der Verleihung der Offizierspatente durch den König nahm das Unterhaltungsprogramm seinen Verlauf. Perry, der mit seiner Conférence durch das Programm führte, begeisterte auch durch seine „Humoristischen Zaubereien“ und seine Bauchrednershow „Perry und Fan-Fan“. Das international be­kannte Akkordeon-Duo Henny und Han Frontalini aus Avenhorn in Holland riß mit seinen musikalischen Highlights sein Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Zum Tanz spielte das Soundland-Sextett, und die bereits schon gehobene Stimmung im Saal setzte sich bis in die frühen Morgenstunden fort. Alles in allem war der Königsball 1989 ein ganz besonders gelungenes Fest, das uns noch lange danach be­schäftigt hat.

 

Das Schützenfest 1990 fand vom 3. bis 6. August statt. Am Freitagabend begann des Fest mit der traditionellen Totengedenkfeier und dem Gro­ßen Zapfenstreich.

 

Am Samstagmorgen marschierten wir mit klingendem Spiel zum Königsschießen. Ober­bürgermeister Heinz Eickelbeck als Vertreter der Stadt und Herr Erftemeier als Vertreter des Polizeipräsidenten eröffneten mit ihren Ehrenschüssen das Schießen. Dann waren die einzelnen Kompanien an der Reihe und schossen die durch das Los für sie bestimmten Trophäen ab, was von den Schützen im Zelt jedesmal mit lautem Beifall be­dacht wurde.

Der Samstag war der heißeste Tag seit 1944. Die Meteorologen verzeichneten eine Re­kordtemperatur von 34,3° C. Im Zelt wurden mittags 42° C gemessen! Dies wirkte sich auch auf den Durst der Schützen aus. Jedoch griff kaum einer zum Bier, statt dessen wur­den Unmengen von Mineralwasser vertilgt. Unser Zeltwirt hatte große Mühe, genügend Nachschub heranzubekommen. So taufte er unser Fest auch das „Wasserfest“.

Als die letzte Trophäe gefallen war und nur noch der nackte Rumpf des Vogels vor dem Kugelfang auf der Stange saß, versammelte sich die 3. Kompanie im Schießstand, um ihren König auszuschießen. Es war ein hartes Ringen, und es floß reichlich der Schweiß, bis nach dem 121. Schuß endlich der Vogel fiel.

Der neue König des Bürger-Schützenvereins hieß Werner Mathies. Laut jubelnd trugen ihn seine Kameraden aus dem Schießstand. Der neue König ernannte zu seinem Adjutanten Wolfgang Berghüser. Zu seiner Königin erkor er Ingetraut Opp. Der Abend sah uns alle frisch geduscht und mit trockener Wäsche im Festzelt zum Krönungsball versammelt. Pünktlich um 19.00 Uhr Ein­zug der Majestäten mit Gefolge. Auf der Tanzfläche feierliche Übergabe der Vereins­fahne vom Fahnenkommando der 2. Kompanie an das Fahnen­kommando der 3. Kom­panie, dann die Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden.

Nach der feierlichen Proklamation und Krönung des neuen Königspaares folgte die Aus­zeichnung der Trophäenerringer und die Ehrung von 40 Jubilaren für 25-, bzw. 40-jährige treue Mitgliedschaft. Besondere Erwähnung verdient hier, daß das scheidende Kö­nigspaar Hermann I. und Rosemarie I. der Vereinsfahne einen Fahnenwimpel zur Erinne­rung an ihre Regentschaft stiftete.

Im Anschluß an die Polonaise des Throns war die Tanzfläche freigegeben für die Besucher und Schützen. Das Soundland-Sextett sorgte mit seiner mitreißenden Tanzmusik für ausge­zeichnete Stimmung. So verging der erste Festabend wie im Fluge.

 

Am Sonntagnachmittag fand unter großer Anteilnahme der Wiemelhauser Bevölke­rung der große Festumzug statt. Zwar war es am Sonntag nicht mehr ganz so heiß wie am Vor­tag, so freuten wir uns doch sehr über das strahlend schöne Wetter, bei dem der far­ben­prächtige Umzug seinen Lauf nahm. Im Zelt wieder angekommen, nahm das Kö­nigspaar die vielen Glückwünsche der Gastvereine entgegen. Nach der Verabschiedung der Mu­sikkapellen und der Spielmannszüge nahm das Soundland-Sextett die Musik in seine be­währten Hände und spielte zum Tanz auf. So nahm auch der Sonntag, den wir in Gesell­schaft der vielen uns bekannten Schützenkameraden unserer Gastvereine verleb­ten, ei­nen besonders guten Verlauf.

 

Am Montagnachmittag stand die Bewirtung und Unterhaltung der Wiemelhauser Kinder auf dem Programm. Wie üblich wurden unsere kleinen Gäste mit Süßigkeiten und Erfri­schungsgetränken bewirtet. Für die Unterhaltung sorgte ein Zauberkünstler, der selbst nach dem Urteil vieler Kinder seine Sache sehr gut gemacht hat.

Abends waren Schützenball und der Festausklang angesagt. Nach der Begrüßung der Gäste folgte die feierliche Übergabe des Königspokals an den Schießoffizier der siegrei­chen 3. Kompanie, Leutnant Frank Wiethoff, durch das scheidende Königspaar Hermann I. und Rosemarie I. Die 3. Kompanie holte ihren Schießoffizier auf den Schultern vom Thron ab und brachte ihn zur Theke, wo der Pokalgewinn gebührend gefeiert wurde. Aber nicht nur die 3. Kompanie hatte Grund zum Feiern, auch alle anderen Kompanien waren in bester Feststimmung, und nutzten diesen letzten Abend noch einmal so recht zum Tanzen und Fröhlichsein. Hatte sich das Wetter doch inzwischen abgekühlt, und nun schmeckte auch das Bier wieder richtig gut. So ging auch das Schützenfest 1990 zu Ende. Noch heute erinnern wir uns gern an dieses schöne und gelungene Fest.

 

Da der bisherige Bataillonsführer, Major Werner Mathies, durch die Erringung der Königs­würde nicht mehr weiter als Major zur Verfügung stand, fand am 26.10.1990 eine außer­ordentliche Versammlung des Bataillons-Offizierskorps statt, um einen neuen Major zu wählen. Bei der Wahl in einem Wahlgang errang O-Ltn. Rüdiger Reuse die absolute Stim­men­mehrheit und wurde so neuer Bataillonsführer und Major. Zu seinem Adjutanten er­nannte Rüdiger Reuse den bisherigen Bataillonsadjutanten O-Ltn. Willi Wiethoff.

 

Nicht zu vergessen sei hier, daß der Verein in all den zurückliegenden Jahren auch re­gelmäßig am Bochumer Maiabendfest teilgenommen hat, insbesondere am Ausmarsch nach Harpen. Die Bochumer Maiabendgesellschaft bestand jedoch seit etwa zwei Jah­ren darauf, die traditionelle Marschpause der mitmarschierenden Vereine in den ange­stammten Frühstückslokalen entlang des Marschweges nach Harpen ersatzlos wegfallen zu lassen.

Darüber war es zwischen der Maiabendgesellschaft und vielen Schützenvereinen, darun­ter Hofstede-Riemke, Hamme, Weitmar und auch Brenschede, zu scharfen Kontroversen gekommen. Als Folge hiervon hatte Brenschede gemäß Beschluß der Mitglieder-Jahres­hauptversammlung 1990 als Reaktion auf die Unnachgiebigkeit der Maiabendgesell­schaft die Teilnahme am Ausmarsch Harpen verweigert, obwohl der Verzicht auf die uns liebgewordene Veranstaltung allen schwer fiel. 1991 entschloß sich der Verein jedoch, wieder am Ausmarsch teilzunehmen. Weiter beschloß man, nur bis zum Frühstückslokal Ritterburg zu marschieren, und dort den Nachmittag zu verbringen.

Der Verein sorgte dafür, daß die Mitmarschierer und die Schlachtenbummler in der Rit­terburg bei ihrer Ankunft ein heißes Würstchen und später auch die beliebte Erbsen­suppe einnehmen konnten, dazu gab es auch noch einige Biermarken. Dieser ge­änderte Ablauf der Veranstaltung wurde von unseren Schützen so positiv aufgenommen, daß die Beteili­gung am Ausmarsch Harpen mit 160 Mitmarschierern einen noch nie da­gewesenen Re­kord darstellte. Hinzu kamen noch die 28 Spielleute der Spielleutevereini­gung „HORRIDO“, die uns auf dem Marsch begleiteten.

Dementsprechend war unser Frühstückslokal Ritterburg natürlich viel zu eng, um die zahlreichen Marschierer und die nachfolgenden Schlachtenbummler aufnehmen zu können. Da aber das Wetter geradezu ideal für den Ausmarsch war, konnten sich viele von uns auch außerhalb des Lokals im Freien aufhalten.

Bei dieser 1991 zum ersten Mal praktizierten neuen Lösung ist es auch in den folgenden Jahren bis heute so geblieben.

 

Die erste Kompanie konnte 1991 am 8. Juni ihr 85-jähriges Jubiläum feiern. Dafür war nicht nur das Kompanielokal Georgskrug, sondern auch ein mittelgroßes Zelt neben dem Lokal bereitgestellt, um die Kompaniemitglieder mit ihren Angehörigen und die ein­geladenen Gäste aufzunehmen.

Ein anderes Jubiläum feierte die Damen-Schießgruppe der 3. Kompanie. Ihre 15-Jahrfeier fand am 13. April im Lokal Haus Seier statt. Das von den Damen mit viel Fleiß und guten Ideen geschmückte Lokal sah sowohl alle Damen wie auch die von ihnen eingeladenen Herren der 3. Kompanie abends zu fröhlicher Feier vereint.

Mit viel Musik und Tanz, aber auch mit von einigen Damen vorgetragenen lustigen Dar­bietungen, feierte die 3. Kompanie diesen denkwürdigen Anlaß in bester Feststimmung.

 

1991 war aber auch wieder einmal das Jahr des Vereinsausflugs, der uns am 14. Juli ins Münsterland, das Tecklenburger Land und in die Baumberge führte. Von Brenschede brachten uns mehrere Autobusse zunächst zum Café-Restaurant „Haus Waldfrieden am Wildpark“ in Börnste bei Dülmen, wo wir alle zusammen ein hervorragend zubereitetes Mittagessen zu uns nahmen. Nach dem Essen setzten wir unsere Fahrt zum Freizeitpark nach Ibbenbühren fort, wo unter anderem Zeitvertreib auch eine Fahrt auf der Sommer­rodelbahn möglich war. Von hier ging es weiter nach Tecklenburg, einem sehr schönen alten Städtchen mit sehenswerten alten Gassen und schönen gepflegten Fachwerkhäu­sern.

Nach einem angemessenen Aufenthalt in Tecklenburg führte unser Weg nach Hasbergen zum Gasthof Thies, wo uns ein deftiges Abendbrot erwartete und wir den Tag bei Musik und Tanz ausklingen lassen konnten. Nicht alles an diesem Ausflug fand die ungeteilte Zustimmung der Teilnehmer; einiges war nicht so zufriedenstellend verlaufen, wie es sich der Vorstand nach der Vortour erhofft hatte. Dennoch zeigte sich die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer mit dem Programmangebot und dem Tagesverlauf zufrieden.

Dies war vorläufig auch der letzte Vereinsausflug, denn schon bei der Vorbereitung dieses Ausflugs hatte sich gezeigt, daß es zunehmend immer schwieriger wurde, für eine so große Teilnehmerzahl an einem Sonntag Ausflugslokale zu finden, die für die einmalige Aufnahme eines Vereins bereit waren, ihren normalen Sonntagsbetrieb mit der Bewirtung ihrer vielen Stammgäste aus der Umgebung zu opfern.

 

Am 9. Mai 1992 fand im Saalbau Spitz in Stiepel der Königsball unseres Königspaares Wer­ner I. und Ingetraut I. statt. Von der Damengruppe der 3. Kompanie war von langer Hand und in mühevoller Kleinarbeit die Saaldekoration vorbereitet worden, die dann von den Kompaniemitgliedern zwei Tage vor dem Fest montiert wurde. Vorstand und Veranstal­tungskommission hatten sich rechtzeitig um die Verpflichtung von Künstlern für das bunte Programm und um eine gute Tanzkapelle bemüht.

Am Abend des 9. Mai war es dann soweit, und die eingeladenen Mitglieder unseres Ver­eins, sowie die Gäste der Nachbarvereine erreichten den Festsaal bei strömendem Re­gen mit nassen Schuhen und Mänteln. Ungeachtet des nassen Anmarsches entwickelte sich der Abend jedoch zu einem Highlight des Frohsinns und der Gemütlichkeit. Mit dem Einzug unseres Königspaares mit Gefolge, sowie auch der eingeladenen Königspaare un­serer Nachbarvereine Stiepel und Weitmar, begann der offizielle Teil des Festes. Nach der Begrüßung der Gäste durch unseren Vorsitzenden Theo Schrepping folgte die Übergabe der Offizierspatente an die seit 1989 beförderten Offiziere durch unsere Majestät und den Major.

Beste Stimmung kam schon bei dem Auftritt der Damen der 3. Kompanie mit ihrem Ge­sangssketch „Der Schützenkönig“ auf, frei nach dem Erfolgsstück der Kölner Gruppe Bläck Föss. Da wurde schon bei den Refrains mitgesungen und mitgeklatscht. Die Entertainer Volker und Gerd führten durch das Programm und ernteten für ihre witzigen Sketche und die gekonnt vorgetragene Conférence viel Beifall. Ebenso das aus Holland stammende Musikduo Irene und Joe, die mit ihren Darbietungen die Stimmung noch weiter anheizten. Zum Tanz spielte das Soundland-Sextett auf und verstand es, die entstandene Hochstim­mung durch seine flotten Weisen aufrecht zu erhal­ten, und daß bis in den Morgen fleißig getanzt wurde. Auch die­ser Königsball war ein Ball so recht nach unserem Geschmack, an den wir uns noch gerne erinnern.

 

Das Ereignis, auf das der Verein und der Vorstand sich seit dem Ende des Jahres 1992 in­tensiv vorbereitet hatten, war das Bürgerschützen- und Volksfest mit Königsschießen, das in der Zeit vom 10. bis 13. September 1993 durchgeführt wurde.

Am Abend des 10. September nahm das Fest mit der Totengedenkfeier und dem Großen Zapfenstreich seinen Anfang. Auch in diesem Jahr gelang es uns mit beiden von der Be­völkerung stark besuchten Veranstaltungen einmal mehr, unsere Verbundenheit zu über­lieferten Traditionen eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.

 

Am folgenden Samstag wurde im Festzelt um Trophäen und die Königswürde gerungen. Nachdem der stolze Adler aller Trophäen beraubt war, entbrannte unter den Mitgliedern der 4. Kompanie der Kampf um die Königswürde. Nach hartem Ringen konnte Oberleut­nant Gerhard König seinem Namen alle Ehre machen und den Sieg für sich verbuchen. Zu seinem Adjutanten ernannte er Leutnant Ludger Endraß und beauftrage ihn, von der von ihm auserkorenen Königin deren Zustimmung einzuholen. Nach seiner Rückkehr wurde der Name der neuen Königin bekanntgegeben: Es war die Gattin des Hauptmanns der 4. Kompanie, Irmhild Straatsma. Die Nachricht wurde mit großem Beifall aufgenom­men, und danach löste sich die Gesellschaft auf.

Am Abend fanden sich alle Schützen und Besucher im Festzelt zum Krönungsball ein. Nach dem Einzug der Thronbesetzung und der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden folgte die Proklamation und Inthronisie­rung des neuen Königspaares, die mit der 3. Strophe des Deutschlandliedes ihren Ab­schluß fand. Danach beglückwünschte der neue König die Trophäenerringer und über­reichte ihnen die Orden und Urkunden. Danach er­freuten die Damen der Königskompanie die Festgesellschaft mit der in historischen Ko­stümen aus dem 18. Jahrhundert getanzten Humoreske von Joseph Haydn.

Sodann eröffnete der Thron mit der Polonaise den Tanz. Es folgte ein gemütlicher und stimmungsvoller Festabend ohne irgendeine Störung, der uns bis zum frühen Morgen bei Tanz und Frohsinn feiern sah.

 

Am folgenden Sonntagmorgen weckte unser Musikoffizier Horst Biewald mit dem Spiel­mannszug Herne 08 Majestäten und Mitglieder des Vereins mit klingendem Spiel. Mittags traten die Kompanien vor ihren Stammlokalen an und marschierten auf den Sportplatz an der Glücksburger Straße. Nach dem Abschreiten der Front der angetretenen Vereine durch die Könige mit ihren Adjutanten formierte sich der große Festumzug durch unseren Ortsteil Wiemel­hausen. Bei strahlendem Herbstwetter wurde der Zug der blau-weißen und grünen Schüt­zen, der blumengeschmückten Kutschen mit den Königspaaren und der farbigen Musik- und Spielmannszüge überall am Weg freudig bejubelt. Unter besonders großer Anteil­nahme der zuschauenden Bevölkerung vollzog sich die Parade vor den Kö­nigspaaren aller beteiligten Vereine, die auf der Treppe vor der katholischen Kirche Auf­stellung ge­nommen hatten. Im Festzelt wieder angekommen, nahmen Gerhard I. und Irmhild I. die Glückwünsche und Präsente der befreundeten Vereine entgegen. Abends folgte dann der Königsball. Auch diese Veranstaltung war geprägt durch die Pflege und Hege der freundschaftlichen Verbundenheit mit unseren Nach­barvereinen und deren Mitgliedern.

 

Am Montag empfingen wir die Wiemelhauser Schulkinder zum Kindernachmittag. Die Spielschar „Lila Leierkasten“ aus Wiemelhausen erfreute die Kinder nach der üblichen Bewirtung mit dem Spiel „Kasimir an der Küste“, das sich mit der Umweltbelastung unserer Strände und Gewässer befaßte. Das Stück wurde von den Kindern mit wachem Interesse aufgenommen und kam auch bei den Großen gut an. Der Abend gehörte wieder den Schützen und unseren Besuchern, und vereinte uns zum Schützenball im Festzelt. Der offi­zielle Teil sah neben der Begrüßung die Ehrung unserer Jubilare vor, die für 25-jährige Mitgliedschaft mit der silbernen und für 40-jährige Mitgliedschaft mit der goldenen Ehren­nadel ausgezeichnet wurden. Nach der Polonaise des Throns vergnügten sich Schützen und Gäste bis in den beginnenden neuen Tag. Damit fand auch dieses schöne und denkwürdige Schützenfest 1993 seinen unausweich­lichen Abschluß.

 

In der Mitglieder-Jahreshauptversammlung am 19. März 1994 ist der 1. Vorsitzende des Vereins Theodor Schrepping nach 23-jähriger Amtszeit auf eigenen Wunsch zurückgetre­ten. Die Versammlung beschloß einstimmig, Theodor Schrepping für seine herausragen­den Verdienste um den Verein zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Der Vorstand gratu­lierte ihm zu dieser Auszeichnung und überreichte ihm eine schmuckvolle Ehrenurkunde.

Unter der Führung durch Theodor Schrepping hatte der Verein einen weite­ren ungeahn­ten Aufschwung genommen, der sich in einer Zunahme des Mitgliederbestandes, aber vor allen Dingen in einer stetigen Aufwärtsentwicklung des Kassenbestandes zeigte. Das Ziel der restriktiven Ausgabenpolitik war es, den Verein endlich in die Lage zu versetzen, eine finanzielle Einbuße durch ein fehlgeschlagenes Schützenfest besser verkraften zu können. Dieses Ziel wurde im Verlauf der folgenden Jahre konsequent verfolgt und war von Erfolg gekrönt.

Bei den anschließenden Vorstandswahlen wurde der bisherige 2. Vorsitzende Winfried Gluma zum 1. Vorsitzenden, der bisherige 1. Schriftwart und Geschäftsführer Eberhard Opp zum 2. Vorsitzenden und der bisherige 2. Schriftwart Jürgen Hoffmann zum 1. Schrift­wart und Geschäftsführer gewählt.

 

Weiter wurde die Neufassung der Satzung den Mitgliedern zur Abstimmung vorgelesen und erläutert. Bei der Abstimmung stimmten 92,6 % der anwesenden Mitglieder für die Annahme der neuen Satzung. Diese neue Satzung wurde am 17. Mai 1994 in das Vereins­register beim Amtsgericht Bochum eingetragen und anschließend allen Mitgliedern zuge­sandt.

 

Am diesjährigen Maiabendausmarsch beteiligten sich 170 Männer und Frauen des Ver­eins, zu denen noch die Spielleute des Spielmannszuges Crange hinzukamen. Bei strah­lendem Sonnenschein fand der Ausmarsch statt.

Die Beteiligung unseres Vereins am Festumzug des Bürgerschützenvereins Bochum-Stiepel 1854 anläßlich des Schützenfestes vom 9. bis 12. September sah uns mit 180 Mitmarschie­rern im Festzug, begleitet von den „Spielleuten Herne 08“ und dem Blasorchester „Langendreerer Dorfmusikanten“. Auch diesmal war die Teilnahme am Schützenfest in Stiepel wieder ein Höhepunkt im Vereinsgeschehen dieses Jahres.

 

Im Jahre 1995 beteiligte sich der Verein auch wieder am Ausmarsch der Bochumer Maiabendgesellschaft, und die Teilnehmerzahl erreichte mit 187 Mitgliedern einen abso­luten Höhepunkt. Hinzu kamen auch noch 23 Spielleute aus Crange. Es ist bezeichnend, daß der Trend zur Teilnahme an dieser Veranstaltung in den letzten Jahren stetig zuge­nommen hat. Der Marsch zur Ritterburg war von herrlichem Sonnenschein beglei­tet. Alle Teilnehmer bekamen ihr Würstchen und die Erbsensuppe. Da der Verein seine Teilnahme am Fest der „Brenscheder Bauern“ im Kirchviertel Wiemelhausen zuge­sagt hatte, war un­sere Verweildauer in der Ritterburg begrenzt. Um 14.15 Uhr wurde das Bataillon Bren­schede mit Bussen von der Ritterburg abgeholt und zur Gaststätte „Haus Reinert“ gefah­ren. Von dort marschierten wir dann geschlossen ins Kirchviertel und nah­men dort am Fest der „Brenscheder Bauern“ teil. Am nächsten Tag fand ein Festumzug der „Brenscheder Bauern“ durch den Ortsteil statt. Mit 151 Mitgliedern war der Verein bei diesem Umzug vertreten.

 

Der Königsball unserer Majestäten Gerhard I. und Irmhild I. war der gesellschaftliche Hö­hepunkt des Jahres 1995. Wegen des durch Umbauten bedingten geänderten Bestuh­lungsplanes im Saalbau Spitz war es nicht mehr möglich, dort die zu erwartenden mehr als 300 Besucher unterzubringen. So beschloß der Vorstand, auf das Stadtparkrestaurant auszuweichen.

Unser Königspaar konnte am Abend des 20. Mai am Eingang zum Saal 321 Mitglieder und Gäste begrüßen. Mit dem Einzug unseres Königspaares mit Gefolge, sowie auch der ge­ladenen Königspaare unserer Nachbarvereine Stiepel und Weitmar begann der offizielle Teil der Veranstaltung. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Winfried Gluma folgte die Überreichung der Offizierspatente durch den König und den Major.

Durch den Bunten Teil führte Roland Antoine, der auch mit seiner Midnight-Special-Show­band zum Tanz und zur Unterhaltung aufspielte.

Den Auftakt des Bunten Abends machten die Damen der 4. Kompanie, die entsprechend kostümiert einige folkloristische Tänze aufführten und so für die rechte Einstimmung sorg­ten. Anschließend unterzog der Musikclown Joe Maybe die Lachmuskeln des Publikums einem Kondi­tionstest und heizte die Stimmung noch mehr an. Den Abschluß des Pro­gramms bil­dete der italienische Sänger Silvano, der uns die schönsten Melodien aus Ita­lien und aller Welt präsentierte.

Im Vorfeld des Königsballs hatte es einige Kritik an der Wahl des Veranstaltungsortes Stadtparkrestaurant gegeben. Jedoch hatte der Vorstand dafür gesorgt, daß alle Teil­nehmer sowohl für die Hin- wie für die Rückfahrt vom Verein bereitgestellte Autobusse gegen geringes Entgelt benutzen konnten. Dies, wie auch das gepflegte Ambiente der Stadtparkgastronomie, trugen dazu bei, daß das Fest gut angenommen wurde. Zusam­menfassend ist festzustellen, daß der Königsball 1995, trotz der erstmaligen Verlegung in eine neue Umgebung, ein voller Erfolg wurde und seinen Gastgebern Ger­hard I. und Irmhild I. eine bleibende Erinnerung sein wird.

 

Am 10.09.1995 nahm der Schützenverein Brenschede am Festzug anläßlich des Schützen­festes des Bürger-Schützenvereins Weitmar-Mark und Neuling teil. An die 190 Teilnehmer von Brenschede wurden vom „Spielmannszug Herne-Süd“ und von der Blaskapelle „Langendreerer Dorfmusikanten“ musikalisch dabei unterstützt. Dieser Tag war ein schöner warmer Herbsttag, und das Marschieren durch die Straßen von Weitmar war nicht so be­schwerlich wie vor drei Jahren, weil der Marschweg etwas kürzer ausgefallen war. Nach dem Marsch verbrachten wir mit den Freunden aus Weitmar und Stiepel noch einige schöne gemeinsame Stunden im Festzelt auf der Sportanlage Romersheide.

 

Eigentlich hätte ja im Jahre 1996 wieder in Brenschede Schützenfest gefeiert werden müs­sen. Da aber 1997 unser Verein sein 200-jähriges Jubiläum begeht, beschloß die Mitglie­der-Jahreshauptversammlung am 21. Oktober 1994, das Schützenfest 1996 in das Jubilä­umsjahr 1997 zu verlegen. Hierzu wurde mit dem Schützenverein Stiepel, der turnusmäßig 1997 sein Schützenfest gefeiert hätte, ein Tausch vereinbart. So feierte der Schützenverein Stiepel bereits 1996 sein Schützenfest und überließ uns das Jahr 1997 für unser Jubiläums­fest. Dafür sind wir unseren Freunden aus Stiepel sehr verbunden. Auch zum Schützenfest in Stiepel haben wir eine große Anzahl von Mitgliedern beim Festumzug am Sonntag, dem 1. September 1996 aufgeboten und konnten zusammen mit den Schützen aus Weitmar und Stiepel ein schönes und gelungenes Fest feiern.

 

Ansonsten war das Jahr 1996 weniger von Feierlichkeiten, als vielmehr von den intensiven Vorbereitungen für das bevorstehende 200-jährige Jubiläum geprägt. Sollte doch nach dem Willen unserer Mitglieder und des Vorstandes dieses Fest ein Besonderes werden. Um dieses Ziel zu verwirklichen, wurden alle erdenklichen Anstrengungen unternommen. Als wir jedoch die Festgenehmigung von der Stadt Bochum erhielten, stellten wir fest, daß uns mit den Auflagen für die Benutzung des Nebenplatzes an der Glücksburger Straße wieder einmal so gravierende Schwierigkeiten bereitet wurden. daß die Mitglieder erst nach Nachverhandlungen mit der Stadt in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Durchführung des Festes ihre Zustimmung geben konnten.

 

Nun sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, alle Verträge mit dem Zeltverleiher, den Musik- und Spielmannszügen, den Künstlern und anderen Beteiligten zufriedenstellend unter Dach und Fach gebracht. Es bleibt uns nur zu hoffen, daß vor allen Dingen die Sonne an allen Festtagen vom 11. bis 15. September scheint, und die Brenscheder Bevöl­kerung recht zahlreich an all unseren Festveranstaltungen teilnimmt, damit auch dieses Fest ein voller Erfolg wird.

Besondere Anerkennung verdient an dieser Stelle auch die Veranstaltungskommission des Bataillons, die sich mit großem Eifer und Erfolg für die Gestaltung der Abendprogramme eingesetzt hat. Aber auch allen anderen Mitgliedern, die im Vorfeld des Schützenfestes an den vielfältigen Aufgaben tatkräftig mitgewirkt haben, sei hier unser Dank ausgespro­chen.

 

***


 

 

Nachwort

 

An dieser Stelle endet vorläufig die Geschichte des Schützenvereins Bochum-Brenschede. Der Verfasser hofft, daß Sie, verehrte Leser, beim Studium der Chronik einen Eindruck da­von bekommen haben, wie umfangreich, ja auch abwechslungsreich und oft nicht ohne Schwierigkeiten, die Prozesse innerhalb eines Vereinslebens ablaufen. Es ist ja nicht immer so, daß alle Beschlüsse von allen Mitgliedern einhellig mitgetragen werden. Vielmehr muß oft auf demokratischer Basis um Mehrheiten im Verein gerungen werden. Ziel solcher Auseinandersetzungen muß aber stets das Bemühen um das Gesamtwohl des Vereins und seiner Mitglieder sein. Ohne die uneingeschränkte Bejahung dieses Prinzips und die Bereitschaft einer Minderheit, sich den Beschlüssen der Mehrheit unterzuordnen, wäre der Verein sicher nicht so alt geworden. Es ist dem Verein zu wünschen, daß dies in Zukunft auch stets so bleiben wird.

 

Nun liegt das Jubiläums-Schützenfest 1997 vor uns. Wir hoffen, daß es mit dem einmaligen Kaiserschießen, den Abendprogrammen der Extraklasse am Samstag und Montag, mit dem Festakt im Festzelt am Freitagvormittag, der Auszeichnung von über 60 verdienten Mitgliedern und der Ehrung von ca. 60 Jubilaren am Freitagabend, ein Fest der Superla­tive wird, von dem unsere Nachkommen noch erzählen werden.

Als ältester Schützenverein im Bochumer Raum haben wir den Ehrgeiz, die in 200 Jahren zusammengewachsene Gemeinschaft von Wiemelhauser Bürgerinnen und Bürgern mit großer Zuversicht ins nächste Jahrtausend zu führen.

 

Möge auch für die Zukunft dem Verein das Glück nicht versagt bleiben, möge das Ver­einsleben weiter von Männern und Frauen unterstützt werden, die sich des hohen Wertes der Bewahrung von Tradition und Brauchtum bewußt sind, es aber auch verstehen mö­gen, alte Traditionen mit modernen Lebensformen in Einklang zu bringen. Möge auch unseren Kindern in der Kameradschaft und Gemeinschaft des Schützenvereins ein Hort erhalten bleiben, der sie auch in der Welt von morgen vor Vereinsamung bewahren und den Mitmenschen näher bringen kann.

 

 

Dem Bürger-Schützenverein Bochum-Brenschede 1797 e.V.

ein herzliches: “Wachse, blühe und gedeihe!“

 

 

Eberhard Opp

2. Vorsitzender

 

Das Jubiläumsjahr 1997

 

Den Anfang machte die Zweite-Kompanie, die am 12. April ihr 70jähriges Jubiläum feierte. Am 10. Mai feierte die Dritte-Kompanie ebenfalls ihr 70jähriges Jubiläum. Es folgte am 8. Juni das 200jährige Jubiläum der Stamm-Kompanie.

 

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war das Jubiläumsschützen‑ und Volksfest mit Kaiserschießen zum 200jährigen Jubiläum des Vereins vom 11. bis 15. September, auf das der Verein und der Vorstand sich intensiv vorbereitet hatte.

 

Am Donnerstag, dem 11. September war es dann soweit und das Fest begann traditionell mit der Totengedenkfeier in der St.‑Johannes-Kirche und dem "Großen Zapfenstreich" auf dem Vorplatz Seier unter reger Anteilnahme der Bevölkerung.

 

Am Freitagmorgen war um 11.00 Uhr ein Festakt im Festzelt mit dem Schirmherrn unseres Festes, Herrn Oberbürgermeister Ernst‑Otto Stüber, dem Bezirksvorsteher der Bezirksvertretung Bochum‑Süd, Herrn Christian Haardt, sowie Vertretern von Politik, Kirche, Wirtschaft, befreundeter Vereine und den Vereinen des Dreierbundes Stiepel und Weitmar.

 

In seiner Rede zum Jubiläumsschützenfest baute Oberbürgermeister Ernst‑Otto Stüber auf Pflege und Tradition des alten Brauchtums und den Kontakt zu den Bürgern durch das Ausrichten von Schützenfesten. Auch alle anderen Festredner sprachen in ihren Reden von der Bewahrung der Tradition und wünschten dem Verein weiterhin eine gedeihliche Vereinstätigkeit.

 

Am Freitagnachmittag fand um 17.00 Uhr auf Einladung der "Werbegemeinschaft Kirchviertel" auf dem Kirchplatz ein Schützenbiwak statt, bei dem die Schützen Würstchen und Bier bekommen haben.

 

Von dort ging es mit klingendem Spiel zum Festzelt, wo um 19.00 Uhr die Jubilarehrung und die Ehrung verdienter Mitglieder begann.

 

Zunächst wurden unsere Jubilare für 25‑jährige Mitgliedschaft mit der silbernen und für 40‑jährige Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

 

Anschließend überreichte das scheidende Königspaar, Gerhard I. (König) und Irmhild I. (Straatsma) Orden an Vereinsmitglieder, die sich während ihrer Regentschaft besonders verdient gemacht hatten.

 

Zum Abschluß wurden 66 Vereinsmitgliedern für besondere Verdienste im Verein durch das Bataillon ausgezeichnet.

 

Am Samstagmorgen ging es mit Marschmusik zum Festzelt an der Glücksburger Straße, wo unter starker Anteilnahme der Bevölkerung und der uns befreundeten Vereine das Kaiserschießen ausgetragen wurde. Nach dem alle Trophäen abgeschossen waren, die Schützen sich zwischenzeitlich mit einer Erbsensuppe gestärkt hatten, begann der Kampf der Ex‑Könige um die Erringung der Kaiserwürde. Mit dem 40. Schuß holte der König von 1972 Georg Ring den Rumpf von der Stange und wurde somit Kaiser Georg I., der erste Kaiser in unserer langjährigen Vereinsgeschichte. Zu seinem Adjutanten ernannte er Oberleutnat Heinz Gaedigk von der Zweiten‑Kompanie.

 

Dieser wurde beauftragt die auserwählte Kaiserin um ihre Zustimmung zu ersuchen.

 

Nach seiner Rückkehr teilte der Kaiseradjutant dem Kaiser die erbetene Zustimmung mit. Daraufin gab der Kaiser bekannt, dass  er sich seine Ehefrau Gisela zur Kaiserin  auserkoren habe, die damit Kaiserin Gisela I. wurde.. Anschließend löste sich die Gesellschaft auf.

 

Der Abend sah uns dann alle zum Krönungsball wieder. Nach dem Einmarsch der Thronbesetzung, der feierlichen Übergabe der Vereinsfahne vom Fahnenkommando der bisherigen Königskompanie an die Kaiserkompanie und der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden folgte die Proklamation und Inthronisierung des Kaiserpaares, die mit der 3. Strophe des Deutschlandliedes ihren Abschluß fand. Danach beglückwünschte der Kaiser die Trophäenerringer und überreichte ihnen die Urkunden und Orden. So dann eröffnete der Thron mit der Polonaise den Tanz. Es folgte ein gemütlicher Abend mit Auftritten von Ireen Sheer und Peter Grimberg, der uns bis zum frühen Morgen bei Tanz und Frohsinn feiern sah.

 

Am folgenden Sonntagmorgen weckte unser Musikoffizier Horst Biewald mit dem Spielmannszug „Herne‑Süd“ Majestäten und Mitglieder des Vereins mit klingendem Spiel.

 

Mittags traten die Kompanie vor ihren Stammlokalen an und marschierten auf den Sportplatz an der Glücksburger Straße. Hier erwarteten wir befreundete Vereine von Stiepel und Weitmar, Abordnungen der Bochumer Maiabendgesellschaft, Abordnung von Emmen in der Lüneburger Heide, von Krudenburg aus Hünxe und von Disteln‑Backum aus Herten, die Schützenvereine Treue Kameradschaft Laer und Laerheide zum Empfang.

 

Nach dem Abschreiten der Front der angetretenen Vereine durch den Kaiser und die Könige von Stiepel und Weitmar setzte sich der Festumzug durch unseren Ortsteil in Bewegung.

 

Bei strahlendem Wetter wurde der Zug der blau‑weißen und grünen Schützen, der geschmückten Kutschen mit dem Kaiserpaar und den Königspaaren und die farbigen Musik‑ und Spielmannszüge überall am Wegesrand bejubelt. Der Vorbeimarsch am Kaiserpaar und den Königspaaren, die auf der Treppe vor der katholischen Kirche Aufstellung genommen hatten, fand unter reger Anteilnahme der Bevölkerung statt.

 

Nach Rückkehr ins Festzelt nahmen das Kaiserpaar Georg I. und Gisela I. Glückwünsche und Präsente der befreundeten Vereine entgegen. Abends erfolgte dann der Kaiserball mit Auftritt von Holger, an dem auch unsere Nachbarvereine mit ihren Mitglieder rege teilnahmen.

 

Am Montagnachmittag empfingen wir die Wiemelhauser Schulkinder zu unserem Kindernachmittag. Jan & Leona begeisterten die Kinder mit ihrem Zauberprogramm.

 

Der Abend gehörte wieder den Schützen und vereinte uns zum Schützenball mit Auftritt von Andreas Martin und Fiesta Brasil im Festzelt. Bei Tanz und Unterhaltung herrschte eine hervorragende Stimmung im Zelt und damit endete unser Jubiläumsschützenfest 1997.

 

Das Schützenfest 1999

 

Um in den alten Rhythmus von 3 Jahren zurückzukehren, feierten wir 2 Jahre nach dem Jubiläumsschützenfest von 1997 unser nächstes Schützenfest vom 27. bis 30. August 1999.

 

Nach etlichen Problemen mit der Überlassung des Nebenplatzes der Sportanlage an der Glücksburger Straße durch die Stadt Bochum, konnten wir letztendlich doch am 27. August 1999 mit unseren Feierlichkeiten beginnen.

 

Am Freitagabend fand in der St.-Johannes-Kirche die Totengedenkfeier statt. Anschließend marschierten wir zum Vorplatz von „Haus Seier“, wo unter großer Teilnahme der Bevölkerung der „Große Zapfenstreich“ stattfand. Vom „Haus Seier“ marschierten wir in das Festzelt um hier den Tag ausklingen zu lassen.

 

Am Samstagmorgen ging es mit Marschmusik zum Festzelt an der Glücksburger Straße, wo wieder unter starker Anteilnahme der Bevölkerung und der uns befreundeten Vereine das Königsschießen ausgetragen wurde. Nachdem schon einige Trophäen gefallen waren, wurde eine Mittagspause eingelegt und traditionell die Erbsensuppe eingenommen. Dann ging das Trophäenschießen weiter bis nur noch der Rumpf übrig war. Jetzt beherrschte nur noch die erste Kompanie den Schießstand und der Kampf um die Königswürde begann. Nach hartem Ringen holte Oberleutnant Friedrich Klocke mit dem 65. Schuss den Rumpf von der Stange und wurde somit König Friedrich I.. Er wurde von seinen Kameraden auf die Schultern gehoben und aus dem Schießstand getragen. Nachdem sich das allgemeine Gratulieren und Händeschütteln etwas gelegt hatte, bat der erste Vorsitzende den König, die Vorstandsmitglieder und die Hauptleute zu einer kurzen Besprechung auf den Thron. Dort ernannte der neue König Friedrich I. den Oberleutnant Lothar Hickert zu seinem Königsadjutanten. Nachdem dieser seine Rangabzeichen erhalten hatte, beauftragte ihn der neue König, seine auserwählte Königin um ihre Zustimmung zu ersuchen.

 

Nach geraumer Zeit traf dann der Königsadjutant wieder im Zelt ein und teilte dem König die erbetene Zustimmung seiner auserkorenen Dame mit. Daraufhin gab der erste Vorsitzende bekannt, dass der neue König Friedrich I. sich seine Ehefrau Margret zur Königin auserkoren habe, die damit Königin Margret I. wurde. Die Bekanntgabe wurde mit viel Beifall aufgenommen und anschließend löste sich die Gesellschaft auf.

 

Der Abend sah uns dann alle zum Königsball im Zelt wieder. Nach dem Einmarsch der Thronbesetzung, der feierlichen Übergabe der Vereinsfahne vom Fahnenkommando der bisherigen Kaiserkompanie an das der neuen Königskompanie und der Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden folgte die Proklamation und die Inthronisierung des neuen Königspaares, die mit der 3. Strophe des Deutschlandliedes ihren Abschluss fand.

 

Nach Ansprachen des bisherigen Kaisers und des neuen Königs sperrte die Königskompanie die Tanzfläche ab und der Thron eröffnete mit der Polonaise den Tanz. Im Anschluss an die Polonaise war die Tanzfläche frei für die Besucher und Schützen. Es folgte ein gemütlicher Abend, der uns bis in die Morgenstunde feiern sah.

 

Am folgenden Sonntagmorgen weckte unser Musikoffizier Gerd Nowaczyk mit dem Spielmannszug „Herne-Süd“ die Majestäten und Mitglieder des Vereins mit klingendem Spiel.

 

Mittags traten die Kompanien auf dem Schulhof der Brenscheder Schule an und marschierten zum Festplatz. Hier erwarteten wir die befreundeten Nachbarvereine von Stiepel und Weitmar sowie eine Abordnung der 2. Kompanie der Bochumer Maiabendgesellschaft. Nach dem Abschreiten der Front der angetretenen Vereine durch die Majestäten formierte sich der große Festumzug durch unseren Ortsteil Wiemelhausen. Bei strahlendem Wetter wurde der Zug der Schützen, die geschmückten Kutschen mit den Majestäten und die farbigen Musik- und Spielmannszüge überall am Wege freudig bejubelt. Unter großer Anteilnahme vollzog sich der Vorbeimarsch an den Majestäten, die vor dem Kirchviertelplatz auf einem Podium Aufstellung genommen hatten.

 

Nach der Rückkehr ins Festzelt nahm unser Königspaar Friedrich I. und Margret I. die Glückwünsche der Gastvereine entgegen. Auch die Musikkapellen und Spielmannszüge erwiesen unserem Königspaar ihre musikalische Referenz, bevor sie sich von uns verabschiedeten.

 

Abends folgte dann der Königsball. Auch diese Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Pflege und Hege unserer freundschaftlichen Verbundenheit mit unseren Nachbarvereinen und deren Mitgliedern. Eine Darbietung der I. Kompanie rundete den Abend ab.

 

Am Montagnachmittag empfingen wir die Wiemelhauser Schulkinder zu unserem Kindernachmittag. Die Spielschar „Lila Leierkasten“ aus Wiemelhausen erfreute die Kinder nach der üblichen Bewirtung mit dem Stück „Schule mit Clowns“.

 

Der Abend gehörte wieder den Schützen und vereinte uns zum Schützenball im Festzelt. Der offizielle Teil sah neben der Begrüßung die Ehrung unserer Jubilare vor, die für 25-jährige Mitgliedschaft mit der silbernen und für 40-jährige Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurden. Weiterhin wurde der Kaiserpokal an die siegreiche I. Kompanie übergeben. Bei Tanz und Unterhaltung herrschte im Zelt eine hervorragende Stimmung bis in die frühen Morgenstunden und damit endete unser Schützenfest 1999.


J.H.

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